Leserbrief: Die Rosinenpicker von Pro Gymnasium

Noch bevor ernsthafte Überlegungen und Verhandlungen über tiefgreifende, aber längst fällige Änderungen im österreichischen Bildungssystem stattfinden können, rücken die erzkonservativen Lobbyisten von Pro Gymnasium aus und erklären ihr kategorisches “Nicht mit uns!” Die Forschung der Bildungswissenschaften der letzten 40 Jahre? Der internationale Vergleich? Die Empfehlungen, ja mittlerweile Warnrufe vieler Kinder- und Schulpsychologen? Die sozialen und demografischen Veränderungen unserer Gesellschaft? Der enorme Druck bereits in der Volksschule? Die äußerst schwierigen Umstände für Schüler und Lehrer in vielen Mittelschulen? Alles kein Thema für die Vertreter von Pro Gymnasium. Dabei sollte doch das Ideal des Gymnasiums, insbesondere des humanistischen Zweigs, als Leitbild für alle Bildungswege fungieren: ein umfassend gebildeter, ethisch kultivierter junger Mensch, der mit den zahlreichen Herausforderungen unserer Zeit (von KI über den Klimawandel bis hin zur globalen Wirtschafts- und Friedensordnung) umgehen kann. Stattdessen fördert Pro Gymnasium die Abschottung und den kurzsichtigen Erhalt des Status quo. Den Preis dieser Ignoranz, geprägt von elitären Standesdünkeln und unsolidarischer Rosinenpickerei, zahlen tausende Kinder, Eltern und Lehrer, das Gewerbe und die Industrie, die Universitäten, letztlich die gesamte Volkswirtschaft im Land!
Johannes M. Kopf, MA MA, Rankweil