Leserbrief: Weltmetropole am Bodensee

Leserbriefe / 26.05.2026 • 10:45 Uhr
Leserbrief: Weltmetropole am Bodensee

Bregenz nennt sich gerne Kulturstadt und internationale Destination am Bodensee. Doch viele Einheimische erleben mittlerweile etwas ganz anderes. Die Preise in Gastronomie und Tourismus steigen ständig weiter. Für alles gibt es Erklärungen: Krisen, Inflation, Kriege, Energiepreise. Gleichzeitig arbeiten viele Menschen in der Gastronomie unter enormem Druck – oft ohne angemessene Bezahlung oder echte Wertschätzung. Viele Mitarbeitende kommen heute aus aller Welt und leisten hervorragende Arbeit. Ohne sie würde vieles gar nicht mehr funktionieren. Aber auch die wenigen einheimischen Kräfte verdienen Respekt und Anerkennung. Was viele Menschen zunehmend stört: Bregenz verlangt teilweise Preise wie große internationale Städte oder Luxusdestinationen – bietet dafür aber oft weder denselben Service noch dieselbe Qualität oder Infrastruktur. Eine Bahnlinie mitten durch die Stadt. Teilweise verbauter Zugang zum See. Und trotzdem präsentiert man sich manchmal, als wäre man die große Weltmetropole am Bodensee. Kultur ist wichtig. Die Festspiele sind wichtig. Das Kunsthaus hat Bedeutung. Aber vielleicht wäre etwas mehr Ehrlichkeit, Bodenhaftung und Respekt gegenüber den Menschen, die hier leben und arbeiten, wichtiger als ständige Selbstdarstellung. Der Film „Nachts sind alle Katzen grau“ hat vielleicht mehr echte Realität dieser Region eingefangen als jede Tourismusbroschüre. Denn am Ende wünschen sich viele Einheimische vor allem eines: ein normales, lebenswertes Bregenz – ohne Größenwahn, aber mit Qualität, Fairness und echter Menschlichkeit.

Christian Amann, Bregenz