Neutralität: Teil ­österreichischer ­Identität

Leserbriefe / 29.05.2026 • 16:48 Uhr

Österreichs Neutralität ist kein Auslaufmodell, es ist das Fundament unserer Republik. Während manche Politiker ständig an Nato-Beitritten, EU-Militärunionen oder einer „Neudefinition“ der Neutralität basteln, spricht die Bevölkerung eine klare Sprache: Laut der Gallup-Umfragen sahen bereits 2022 86 Prozent der Österreicher die Neutralität als Teil unserer Landesidentität, im April 2026 sind es sogar 88 Prozent. Bei einer statistischen Schwankungsbreite von etwa ±3 Prozent ist das keine Momentaufnahme, sondern ein stabiler Volkswille. Interessant: Auch 88 Prozent der Schweizer sehen ihre Neutralität als identitätsstiftend. Warum? Weil die Neutralität Österreich Sicherheit, internationale Glaubwürdigkeit und außenpolitische Eigenständigkeit gebracht hat. Sie ist eng mit dem Staatsvertrag von 1955 verbunden, der Österreich nach Krieg und Besatzung die volle Souveränität zurückgab. Neutralität bedeutete nie Wehrlosigkeit – sondern die Entscheidung, sich nicht in Militärblöcke hineinziehen zu lassen. Gerade in einer Zeit globaler Krisen braucht Österreich keine Kriegsrhetorik, sondern Besonnenheit. Wer die Neutralität aufweichen will, arbeitet gegen die Mehrheit der Bevölkerung und somit gegen ein zentrales Stück österreichischer Identität.

Andreas Lunardon, Hard