Leserbrief: Gewesslers Nullsummenspiel-Irrtum

Leserbriefe / 05.06.2026 • 11:15 Uhr
Leserbrief: Gewesslers Nullsummenspiel-Irrtum

“Wo es zuhauf Milliardäre gibt, da läuft in der Politik etwas falsch. Wenn ganz wenige Milliarden haben, haben fix ganz viele andere zu wenig.” Mit diesem Satz hat Grünen-Chefin Leonore Gewessler unfreiwillig gezeigt, warum wirtschaftspolitische Debatten oft an der Realität vorbeigehen. Die Aussage beruht auf dem alten Nullsummenspiel-Irrtum: Was der eine gewinnt, muss der andere verlieren. Wohlstand ist kein Kuchen mit fixer Größe. Unternehmer werden nicht Milliardäre, weil sie Millionen Menschen etwas wegnehmen, sondern weil Millionen Menschen freiwillig ihre Produkte und Dienstleistungen kaufen. Wertschöpfung schafft zusätzlichen Wohlstand für Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten, Investoren und den Staat. Die Schweiz zählt gemessen an der Bevölkerung zu den Ländern mit der höchsten Dichte an Millionären und Milliardären weltweit. Gleichzeitig gehört sie bei Einkommen, Vermögen und Lebensqualität zur Weltspitze. Nach Gewesslers Logik müssten die Schweizer besonders arm sein. Das Gegenteil ist der Fall. Hayek hätte wohl trocken festgestellt, dass Neid keine Wirtschaftstheorie ist. Dennoch wird wirtschaftlicher Erfolg in manchen politischen Kreisen nicht als Ergebnis von Innovation, Risiko und Leistung gesehen, sondern als gesellschaftliches Problem. Die Frage ist nicht, warum es Milliardäre gibt. Die Frage ist, ob ihr Wohlstand durch Leistung oder politische Privilegien entstanden ist. Neid schafft keinen Wohlstand. Unternehmertum, Innovation und freie Märkte schon.

Dr. Christoph Nussbaumer, Hohenems