Kultur braucht auch eine Stimme

Leserbriefe / 11.06.2026 • 16:51 Uhr

Die Initiative „Kultfür!“ setzt ein wichtiges Zeichen für Kunst und Kultur in Vorarlberg. Faire Arbeitsbedingungen, Teilhabe und Kommunikation auf Augenhöhe sind wichtige Anliegen – dazu gehören aus Sicht vieler Kunstschaffender aber auch nachvollziehbare Förderkriterien, transparente Verfahren und Möglichkeiten zur Reflexion bestehender Strukturen. Gerade die aktuelle Debatte zeigt ein strukturelles Problem: Vereine, Kulturhäuser und Interessengemeinschaften vertreten naturgemäß vor allem Institutionen und Projekte. Was fehlt, ist eine gesetzlich verankerte Interessenvertretung der Kunstschaffenden selbst – auch für jene, die außerhalb bestehender Strukturen arbeiten. Künstlerinnen und Künstler sind die Grundlage jeder kulturellen Infrastruktur. Ohne sie gäbe es weder Kulturvereine noch Festivals, Ausstellungen oder Förderprogramme. Dennoch verfügen sie über keine unabhängige Vertretung ihrer Interessen gegenüber Politik und Verwaltung. Die gewünschte Teilhabe wird dort schwierig, wo Organisationen selbst Fördernehmer sind. Wer morgen wieder mit derselben Behörde verhandeln muss, wird selten dieselbe Unabhängigkeit besitzen wie eine Berufsvertretung oder Ombudsstelle. Kultfür! macht sichtbar, dass es nicht nur um Budgets geht. Es geht auch um Transparenz, Mitsprache, Planungssicherheit – und um die Frage, wer für die Kunstschaffenden selbst spricht. Am 16. Juli 2026 wird mit „COS – Code of Silence“ in Dornbirn ein unabhängig produzierter Vorarlberger Film uraufgeführt, der sich unter anderem mit Sprache, Wahrnehmung und den Strukturen hinter Entscheidungen beschäftigt.

Christian I. Peintner, Bregenz