Leserbrief: Familienpolitik in Vorarlberg

Seit zehn Jahren verfolge ich die Landespolitik im Bildungs- und Betreuungsbereich intensiv. Nach meiner Karenz war der berufliche Wiedereinstieg schwierig, zusätzlich erlebte ich während der Coronazeit geschlossene Bildungseinrichtungen. Danach kam Aufbruchstimmung auf: Der Ausbau der Kinderbetreuung wurde vorangetrieben und es wurde zunehmend normal, dass Mütter arbeiten – bald sogar erwartet. Dann kippte die Stimmung: Teilzeitarbeit wurde als “Lifestyle für Faule” abgewertet. Gleichzeitig erlebe ich ein Bildungssystem, in dem der Schulerfolg stark von der Unterstützung der Eltern abhängt. Es erfordert täglich großen Einsatz, Familie und Beruf zu vereinbaren. Wer arbeitet, sorgt finanziell für seine Kinder – das verdient Respekt. Doch nun kritisieren und beschämen Politiker neuerdings Eltern öffentlich, statt an der Verbesserung des Systems zu arbeiten. Nach wie vor bestehen erhebliche Lücken im Versorgungsauftrag des KBBG, etwa bei der Ferienbetreuung für Volksschulkinder. Gleichzeitig sinkt die Geburtenrate, getrieben von Zukunftssorgen und hohen Wohnkosten. Kinderbildung und -betreuung dürfen nicht als Kostenfaktor gesehen werden: Sie sind die Basis von Bildung, Erwerbstätigkeit und Zukunft. Berufstätige Eltern bekommen kaum Wertschätzung, dafür neue Hürden: eingeschränkte Öffnungszeiten, sinkende Qualitätsstandards, unattraktive Ferienbetreuung und steigende Kosten; Kindergruppen sollen geschlossen werden und das einst dringend gesuchte Personal wird bereits entlassen. Mit großer Sorge beobachte ich diese Entwicklungen. Wohin wird das führen? Zurück in die Vergangenheit?
Angela Schmid, Feldkirch