Leserbrief: Die bittere Wahrheit hinter der “Idylle”

Die aktuellen Aufnahmen des VGT aus einem Vorarlberger Rinderbetrieb – demselben, der bereits vor drei Jahren wegen Missständen auffiel – sind wieder kaum zu ertragen. Schockierend ist nicht nur das Leid, sondern die behördliche Reaktion: Bei der gestrigen Kontrolle wurden keine “gravierenden” Mängel festgestellt. Wenn staatliche Stellen solch tierschutzwidrige Zustände absegnen, muss man sich fragen: Sind wir an einem Punkt, an dem Tierquälerei als Normalität akzeptiert wird? Wären Hunde oder Katzen betroffen, gäbe es zu Recht einen Aufschrei. Warum messen wir bei “Nutztieren” mit einem völlig anderen Maßstab? Besonders perfide ist der Einsatz von stacheligen “Saugentwöhnern”, die dem Kalb und der Mutter bei jedem Kontakt Schmerzen zufügen. Dass solche Methoden in unserer „Landwirtschafts-Idylle“ geduldet werden, ist Wahnsinn. Wir müssen uns auch selbst hinterfragen: Wie lange flüchten wir uns noch in das Märchen vom “anständigen Bauern von nebenan”? Milch und Fleisch sind zwei Seiten derselben Medaille. Wer Tierleid verurteilt, aber diese Produkte weiterhin konsumiert, stützt ein System, das solche Qualen erst wirtschaftlich ermöglicht. Es ist Zeit für eine ehrliche Abrechnung – mit den Behörden und unserem eigenen Handeln. Wegschauen hilft nicht.
Michaela Metzler, Dornbirn