Leserbrief: Besser Teil des Problems als Teil der Lösung?

In den 80er- und 90er-Jahren des vergangenen Jahrtausends durfte ich mich als sachverständiger Landesbediensteter noch am Erfolg eines gewerblichen-industriellen Projektes offen mitfreuen. Galt doch für öffentliche Bedienstete das schlichte Prinzip der Einfachheit, Zweckmäßigkeit und Sparsamkeit. Im Vorfeld von Projekten war es üblich, Projektwerber im Sinne des genannten Prinzips, natürlich im Rahmen der Gesetze, tunlichst mit dem eigenen Fachwissen zu unterstützen. Ich selbst machte mir folglich den einfachen Grundsatz “Sei besser Teil der Lösung als des Problems” zu eigen. Heutzutage würde mir manch grimmig-formalistischer interner oder externer Rechtskundiger dann reflexartig inquisitorisch mit der furchterregenden Fratze des “Amtsmissbrauchs” drohen, dem Gottseibeiuns eines jeden “ghörigen” öffentlich Bediensteten. Wenn ich mir aktuell die notorisch humorbefreiten Antlitze der Gegner*innen des Stadttunnels Feldkirch oder die einstimmig angstgetriebene Gegnerschaft einer Gemeindevertretung wider einem vernünftigen industriellen Projekt der Energieerzeugung aus Abfall zu Gemüte führe, dann kommt bei mir zumindest ansatzweise der Verdacht auf, dass heutzutage gesellschaftlich eher dem Grundsatz gehuldigt wird, besser Teil des Problems und nicht Teil der Lösung zu sein. Wozu denn Wertschöpfung im Lande, wenn doch das Geld für die uns zustehenden sozialen Wohltaten auf den Bäumen wächst, oder etwa nicht? Übrigens: Auch “rechtskonform” kreativ in die eigene Tasche wirtschaften ist für mich “echter” Amtsmissbrauch.
Dr. Klaus König, Lauterach