Leserbrief: Wer vergiftet die Sprache schleichend?

Zum Kommentar „Vergiftete Sprache“ von Harald Walser (VN, vom 3. 7. 2026). Dr. Walser polemisiert gegen die FPÖ, weil „in Österreich Unsagbares sagbar wird und menschenverachtende Ausdrücke in die Alltagssprache übernommen werden“, verlangt, „sich gegen die schleichende Vergiftung unserer Sprache mit gefährlichen Begriffen zu wehren“, kritisiert den Begriff Remigration und empört sich, dass ein ÖVP-Innenminister einen rechtsextremen FPÖ-Begriff verwendet (Kommentar „Vergiftete Sprache“, VN v. 3. 6. 2026). An Hitler, Stalin und Putin erinnernde Sprech- und Denkverbote haben in einem liberalen Rechtsstaat nichts verloren. Zudem bedeuten die Begriffe Migration, Emigration, Immigration und Remigration nichts anderes als Wanderung, Auswanderung, Einwanderung und Rückwanderung. Der Begriff Remigration ist in verschiedenen deutschen Bundesländern sogar jahrelang ohne Beanstandung amtlich verwendet worden. Nur weil dieser an sich völlig neutrale Begriff nun auch von völlig überbewerteten politischen Randgruppen verwendet wird, glauben zu Sprachpolizisten mutierte Tugendwächter plötzlich, real existierende gesellschaftliche Probleme mittels faschistoider Begriffsverbote lösen zu müssen. Was die Remigration von österr. Staatsbürgern betrifft, malt Dr. Walser nichtexistierende braune Teufel an die Wand. Kein FPÖ-Politiker hat jemals eine rechtlich gar nicht mögliche “Remigration” österreichischer Staatsbürger verlangt. Eine “Remigration” – sprich Rückkehr – ausländischer Rechtsbrecher sollte jedoch ein Anliegen aller rechts- und staatstreuen Österreicher sein. Ich frage mich daher, wer hier die “Sprache schleichend vergiftet”.
Dr. Jörg Frey, Feldkirch