Leserbrief: “Vergiftete Sprache”

Zum Leserbrief von Dr. Jörg Frey, VN vom 8. Juli:
Der Leserbrief von Dr. Frey weist zu Recht darauf hin, dass der Begriff “Remigration” ursprünglich wertneutral “Rückwanderung” bedeutete. Sprache verändert ihre Bedeutung jedoch durch ihren gesellschaftlichen und politischen Gebrauch. Dr. Frey widerspricht sich in seiner eigenen Argumentation selbst: Einerseits betont er die Neutralität des Begriffs, andererseits setzt er ihn direkt mit der “Rückkehr ausländischer Rechtsbrecher” gleich. Durch diese Verengung auf Abschiebungen krimineller Ausländer erhält das Wort genau jene negative politische Aufladung, deren Existenz zuvor bestritten wurde. Wenn “Remigration” tatsächlich nur “Rückwanderung” bedeutet, müsste dies ebenso die freiwillige Heimkehr von Studierenden oder Arbeitskräften umfassen. Wer den Begriff ausschließlich selektiv nutzt, verändert dessen Bedeutung selbst. Ebenso wenig überzeugt der Vorwurf, Harald Walser wolle “Sprechverbote” totalitärer Regime errichten. Zwischen der Kritik an einem Begriff und einem staatlichen Verbot besteht ein grundlegender Unterschied. In einer liberalen Demokratie gehört beides zur Meinungsfreiheit: Begriffe zu nutzen und sie kritisch zu hinterfragen. Eine sachliche Migrationsdebatte gewinnt nicht durch NS-Vergleiche, sondern durch differenzierte Sprache. Weil Sprache politische Wirklichkeit prägt, ist diese Sorgfalt notwendig.
Heribert Amann, Götzis