Leserbrief: Vom Weißen Haus zum Tollhaus

Leserbriefe / 16.07.2026 • 11:02 Uhr
Leserbrief: Vom Weißen Haus zum Tollhaus

Mit fortschreitender Amtszeit von Donald Trump stellen wir fest, dass uns immer öfter die Worte fehlen. Quasi im Wochenrhythmus steigert der Große Zampano der Amerikaner die Irrsinnigkeit seiner Entscheidungen. Damit gehen uns allmählich die im zivilisierten Sprachgebrauch verfügbaren Begriffe aus, um Entscheidungen des amtierenden US-Präsidenten angemessen zu würdigen. Immer öfter müssen wir auf Floskeln zurückgreifen, die man zwar gelegentlich in emotionalen Momenten ausspricht, aber nie zu Papier bringt. Auch medizinische oder der Fäkalsprache zugehörige sind zunehmend darunter. In dieser Woche erreicht der Irrsinn gerade wieder einmal eine neue Stufe. Anfang Juni verketzerte Trump noch den Iran wegen seiner Überlegungen, für die Passage der Meerenge eine Maut zu erheben. Montag kündigte er selbst diese völkerrechtswidrige Maut für die USA an. Kostenpunkt: 20 Prozent des Wertes einer Schiffsfracht. Natürlich verbunden mit einem seiner Meinung nach hervorragend passenden Namen: “Wächter von Hormus”. Doch bevor irgendein Wächter aktiv werden konnte, hieß es Dienstag schon wieder “Kommando zurück!”. Zahlen sollen die anderen Anrainerstaaten der Straße von Hormus, indem sie den USA Milliarden-Investitionen ins Land bringen. Natürlich freiwillig – wie sich’s gehört! Was waren das bloß für Zeiten, als wir das Weiße Haus noch als Präsidentensitz kannten und nicht als Tollhaus.

Jürgen Gerdes, Mellau