Leserbrief: Verschiebung der Semesterferien 2027 / Diktat des Tourismus

Dass die Semesterferien im kommenden Schuljahr kurzerhand um eine Woche nach hinten verlegt werden, setzt ein völlig falsches Signal. Als Begründung wird angeführt, man wolle eine Überschneidung mit der Faschingswoche verhindern, um den Gästeansturm in den Skigebieten zu entzerren. Wieder einmal zeigt sich: Wenn die Tourismuswirtschaft ruft, kuscht die Bildungspolitik. Anstatt die Ferienplanung nach den pädagogischen Bedürfnissen der Schulkinder und den Urlaubsplanungen einheimischer Familien auszurichten, regiert im Ländle der Kommerz. Vorarlberger Familien müssen nun zurückstecken, damit ausländische Buchungstage optimiert werden können. Schule sollte für die Kinder da sein – nicht als logistischer Dienstleister für die Seilbahnwirtschaft. Die aktuelle politische Diskussion, die Sommerferien wegen der Hitzewellen um zwei Wochen nach vorne zu verschieben, greift völlig zu kurz. Ja, das Lernen in den oft mangelhaft isolierten Klassenzimmern im Juni und Juli ist eine Zumutung für Kinder und Lehrkräfte. Doch die Ferien einfach zu verlegen, löst das Problem nicht. Der Klimawandel verschwindet dadurch nicht, und auch der Spätsommer im August und September bringt extreme Hitzetage. Die Politik drückt sich hier vor den echten Aufgaben: Anstatt den gesamten Jahreskalender und die Urlaubsplanung der Eltern auf den Kopf zu stellen, müssen die Gemeinden endlich Geld in die Hand nehmen. Unsere Schulen brauchen Klimaanlagen statt Terminkosmetik!
Sabine Windberger, Bregenz