Leserbrief: Sauerstoffzufuhr im Vatikan

Selig sind die Friedensstifter, denn sie werden Gottessöhne genannt: Papst Leo scheint diese eine Seligpreisung im Sinne zu haben. Ein Ben Elohim, Sohn Gottes, ist ein Ben Adam, Menschensohn, der, vom Geist Gottes inspiriert, eine enge, ganz vertrauensvolle Beziehung zum göttlichen DU pflegt und dessen Erbarmen und Gerechtigkeit in Taten und Worten widerspiegelt. Er stellt einen Weg zur unendlichen, bedingungslosen Liebe dar: Er ist ein demütiger, tapferer Diener der stets lebendigen Wahrheit, die, wie der Horizont, immer weiterrückt, je näher man sie vermutet. Wie die Propheten vor ihm lehrt Jesus weiter, anders, um den Zuhörern seiner Zeit längst Gesagtes zu veranschaulichen, verständlicher zu machen. So z. B. das zu Abraham gerichtete Wort: Geh vor mir und werde integer (hebr. tamim), i. e. vollständig, ganz du selber. Jesus spricht vom Balken vor Augen, der Verständnis, Empathie und Bewusstwerdung im Wege steht. Und zu Jesaja: … wenn eure Sünden wie Karmesinrot sind – wie Schnee werden sie weiß. Jesus spricht von den Feldarbeitern des ganzen Tages, die denselben Lohn wie die später Angekommenen bekommen. Die Liebe besitzt demnach keinen Abakuk! Hat das Absolute wirklich einen Platz in den vielen Wohnungen (= Menschen) im Gottesreich?
Marie-Thérèse Mercanton, Bludenz