Leserbrief: Molières eingebildeter Kranke

Nun kam diese Komödie vom Wiener Burgtheater im Rahmen des Festspielsommers am Kornmarkt doch zur Aufführung. Dies, obwohl vorgesehen war, die Gastspielserie des Wiener Burgtheaters aufgrund von auferlegten Einsparungen für zwei Jahre auszusetzen. Anlässlich der diesjährigen Festspieleröffnung wurde mit Kritik an Förderkürzungen von Seiten des – von Vizekanzler Babler geführten – Kulturministeriums, mit denen die Festspiele zu kämpfen haben, nicht gespart. Um den im Land wohlgelittenen Einflusssphären zu huldigen, wurde diesen sehr wohl auch Lob und Anerkennung bekundet. Offensichtlich nicht so, wenn es sich politideologisch um andere Provenienz handelt. Dass diese Burgtheater-Inszenierung dennoch zur Aufführung kam, ist einer unvorhergesehenen Sonderzahlung – aus Anlass des 80-jährigen Jubiläums – des Kulturministeriums zuzuschreiben. Aber für die Anerkennung solcher kulturpolitischen Bemühungen bleibt in der Politszene des Landes wenig Raum.
Dr. Walter Loacker, Hörbranz