Leserbrief: Pflegepraktikum

Von der Politik und der Krankenhausbetriebsgesellschaft wird immer wieder betont, wie wichtig der Pflegeberuf ist und wie er wertgeschätzt wird. Meine Nichte besucht die fünfjährige HLPS in Feldkirch, welche mit Matura und Ausbildung zur Pflegefachassistentin abgeschlossen wird. Im Rahmen dieser Ausbildung sind sie verpflichtet, jetzt im Sommer ein achtwöchiges Pflichtpraktikum im Krankenhaus zu absolvieren. Zurzeit leistet sie dieses Praktikum im LKH Bregenz ab. Für diese Tätigkeit wird ihnen, obwohl sie ganztägig beschäftigt sind, kein Cent bezahlt. Man kann ja argumentieren, dass sie geschult werden und ein gewisser Aufwand damit verbunden ist. Auf der anderen Seite kriegt jeder Ferialpraktikant, wenn er in den Ferien arbeitet, und jeder Lehrling sogar schon im ersten Lehrjahr einen Lohn. Obwohl sie keinen Cent erhalten, müssen sie das Mittagessen selber zahlen. Wertschätzung und Respekt sieht für mich anders aus. Wenn das Berufsleben schon während der Ausbildung so wenig wertgeschätzt wird, kann ich jedem empfehlen, diesen Beruf nicht mehr zu ergreifen. Ich spreche aus Erfahrung, da ich über 20 Jahre als Diplomanästhesiepfleger im LKH B gearbeitet habe. Wir wurden jahrelang trotz gleicher Tätigkeit schlechter bezahlt als das Pflegepersonal am LKH F.
Jürgen Gehrer, Höchst