Leserbrief: Harald Walsers Prokrustesbett: Gemessen wird, bis es passt

Leserbriefe / 31.07.2026 • 13:37 Uhr
Leserbrief: Harald Walsers Prokrustesbett: Gemessen wird, bis es passt

Zum VN-Kommentar “Im Dienst der Atomlobby?” von Harald Walser, VN vom 31.7.2026:

Harald Walser vergleicht die Vollkosten der Kernkraft mit den Gestehungskosten von Photovoltaik – zwei verschiedene Rechengrößen. Bei den Erneuerbaren fehlen genau jene Posten, die er beim Atomstrom einrechnet: Netzausbau, Backup, Speicher, Abregelung. Die 42 Cent stammen aus einer Studie im Auftrag eines Grünstromhändlers. Sie sind das obere Ende einer Bandbreite von 18,5 bis 49,8 Cent. Dasselbe Institut räumt ein, dass die Schätzungen zu den externen Kosten der Atomenergie um den Faktor 2.700 auseinanderliegen. Ein “echter Preis” ist daraus nicht ableitbar. Und das Sicherheitsrisiko ist nicht “noch gar nicht eingerechnet”, es ist der Hauptgrund für die hohe Zahl. Auch die Subventionsliste trägt nicht: “Mindeststrompreise” heißen bei Wind und Sonne Einspeisevergütung. Gleiches Instrument, anderes Etikett. Zu den Abschaltungen: EDF beziffert die Produktionsverluste durch Hitze und Niederwasser seit 2000 auf 0,3 Prozent der Jahreserzeugung. Auflage zum Schutz der Fische, kein Sicherheitsproblem. Dass Neubauten wie Flamanville aus dem Ruder liefen, bestreite ich nicht. Nur geht es um den Weiterbetrieb bestehender Anlagen. Bleibt das Ergebnis: Deutschland ist ausgestiegen und liegt bei 344 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde, Frankreich bei 44 – bei höheren Preisen. Wessen Interesse dient eine Rechnung, die das verschweigt?

Dr. Christoph Nussbaumer, Hohenems