Leserbrief: Ibiza-Flair im Weinkeller

Wieder muss in Österreich ein Polit-Sumpf trockengelegt werden. Traf es in der Ibiza-Affäre noch die FPÖ, ist diesmal die ÖVP im Auge des Hurrikans und dieser zieht die SPÖ im Sog gleich mit. Was sich im Weinkeller des Wiener Wirtschaftskammerpräsidenten Walter Ruck abspielte, ergibt ein verheerendes Sittenbild der österreichischen Politik. In weinseliger Stimmung und unter Regisseur ‚Alkohol‘ erklärte Ruck seinen drei Trinkfreunden, wie Politik läuft, wie Postenschacher geht und wie er mit Hilfe seines Netzwerks Verfahrenskürzungen auf die Reihe bringt. Dass ohne ihn nicht viel läuft, ließ er auch noch durchklingen. Und mit Frauen schon gar nicht! Er nannte Wirtschaftsminister ‚Hatti‘ Hattmannsdorfer einen Sachbearbeiter und Vorstandsassistenten. Parallelen zu Ibiza sind erkennbar. Wenn auch illegal, dass diese Kellerparty heimlich aufgezeichnet wurde, ist mehr als recht und eine gute Bedienungsanleitung für die nächste Wahl. Wie auch bei Ibiza wird sich aber auch hier der ‚Aufnahmeleiter‘ einem Verfahren stellen müssen. Trotzdem, für die FPÖ ist er der ‚Wahlhelfer des Jahres‘! Mit seiner Handyaufzeichnung traf er die Achillessehne der ÖVP und SPÖ. Walter Ruck musste gehen – der ‚Ruck-Sack‘ wurde zu schwer. SPÖ-Bürgermeister Ludwig wird aber weiterhin zu seinem Freund Ruck (ÖVP) halten, denn die Umfrageergebnisse der SPÖ können ihn nicht mehr halten.
Tone Schneider, Klebern, Egg