Leserbrief: Schöne Zahlen lösen keine Probleme

Leserbriefe / 02.08.2026 • 15:50 Uhr
Leserbrief: Schöne Zahlen lösen keine Probleme

Mit Stolz verkündet die Politik, dass die Inflation zurückgeht. Erfreulich, aber daraus einen großen politischen Erfolg abzuleiten, ist irreführend. Eine sinkende Inflation bedeutet nicht, dass die Preise wieder fallen. Sie bedeutet lediglich, dass sie langsamer weiter steigen. Für die Menschen bleibt die Realität spürbar: Lebensmittel, Wohnen, Energie und Dienstleistungen sind deutlich teurer als noch vor wenigen Jahren. Die Mehrwertsteuersenkung auf bestimmte Lebensmittel ist sicher nicht der entscheidende Grund. Wesentlich für den Rückgang waren die vorübergehende Beruhigung der Energiepreise, die Entspannung der Lieferketten, die schwächere Nachfrage und die Wirkung der Zinspolitik. Diese Faktoren sind keine dauerhaften Garantien. Neue geopolitische Krisen werden Energiepreise und damit auch die Inflation weiter deutlich beeinflussen. Die Aufgabe der Politik darf nicht darin bestehen, jede positive Statistik als Erfolg zu verkaufen. Sie muss die Rahmenbedingungen schaffen, damit Österreich langfristig wettbewerbsfähig bleibt und Wohlstand sichern kann. Dazu gehören weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungsverfahren, eine Stärkung des Wirtschaftsstandortes, Investitionen in Bildung, Forschung und Innovation sowie ein verantwortungsvoller Umgang mit Steuergeldern. Österreich braucht keine kurzfristigen Beruhigungspillen und keine politischen Erfolgsmeldungen, sondern eine klare Strategie. Die Bürger erwarten von der Politik nicht nur Erklärungen für vergangene Entwicklungen, sondern Lösungen, die unser Heimatland wieder stärker machen.

Roland Geiger, Buch