Leserbrief: Unvorstellbar war es

Leserbriefe / 02.08.2026 • 15:20 Uhr
Leserbrief: Unvorstellbar war es

Frauen nicht als Eigentum zu betrachten, bis sie in Österreich 1918 das Wahlrecht erhielten und 1976 dem Mann gleichgestellt wurden, Vergewaltigung in der Ehe bis 1989 zu bestrafen. Sich bis 1926 ein Weltwirtschaftssystem ohne Sklaven vorzustellen, bis 1965 Rassendiskriminierung zu verbieten (aktuell 50 Millionen Sklaven) und bis 1842 Kinderarbeit abzulehnen (betrifft heute 140 Millionen Kinder: Schokolade, Fast Fashion). Unvorstellbar war die Behauptung, dass Rauchen ungesund sei, bis 1964 die Lügen der Tabakindustrie aufgedeckt wurden, dass Ewigkeitschemikalien krebserregend sind, bis 2000 die vierzigjährige Lügengeschichte der Chemieindustrie entlarvt wurde, und dass die menschengemachte Klimakatastrophe täglich 1.500 Menschen tötet, obwohl die Wirksamkeit der Klimagase bereits 1896 bestätigt wurde und Exxon ab 1970 die Heißzeit vorausberechnete. Unvorstellbar, dass Ecuador seit 2008 der Natur Persönlichkeitsrechte einräumt und Vorarlberg 2026 unter dem Vorwand der Bürokratie den Naturschutz zertrümmert. Unvorstellbar, dass der individuelle PKW-Verkehr rückständig ist, viele Tote fordert, Lärm, Umweltschäden und Tonnen Mikroplastik produziert und wir immer noch neue Straßen und Tunnels bauen. Unvorstellbar eine Welt des Friedens und der Mitmenschlichkeit statt Geldgier und Konsumkapitalismus mit tausenden Hungertoten – nicht, weil es eine Frage des Könnens, sondern schlichtweg eine Frage des Wollens ist. Unvorstellbar, dass wir die Zukunft unserer Kinder unserem eigenen Wohlstand opfern.

Jürgen Mathis, Hohenems