Leserbrief: Stellenabbau ohne Ende

Wieder streicht ein großer Automobilhersteller tausende Arbeitsplätze – vor allem in der Verwaltung. Viele sehen die Krise der Branche als Ursache. Doch ein wesentlicher Treiber bleibt oft unerwähnt. Es ist die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz. KI ist längst keine Zukunftsvision mehr. Sie arbeitet täglich für uns alle – in Suchmaschinen, Navigationssystemen, Übersetzungsprogrammen, medizinischen Diagnosen oder Spamfiltern. Mit wenigen Eingaben erstellt sie Texte, Bilder und Auswertungen in Sekunden. Genau deshalb lassen sich standardisierte Büro- und Verwaltungsaufgaben immer häufiger automatisieren. Das eröffnet Chancen, birgt aber auch Risiken. KI kann Wissen zugänglich machen – ebenso aber Falschinformationen in ungekanntem Ausmaß verbreiten. Umso wichtiger sind klare Spielregeln und ein verantwortungsvoller Umgang mit dieser Technologie. Was Maschinen (noch) nicht ersetzen können, sind Kreativität, Empathie, Verantwortungsbewusstsein und Urteilsvermögen. Doch darauf darf sich niemand verlassen. Wer heute aufhört zu lernen, läuft Gefahr, morgen überflüssig zu werden. Zukünftig wird allerdings nicht die Künstliche Intelligenz den Menschen ersetzen. Die unbequeme Wahrheit lautet vielmehr: Menschen, die KI kompetent nutzen, werden jene ersetzen, die ihre Chancen mit der KI unterschätzen oder ignorieren. Der Stellenabbau von heute könnte erst der Anfang sein.
Robert J. Bösch, Lustenau