Leserbrief: Das Paradoxon des Facharbeitermangels: Wenn Macht vor Leistung geht

Leserbriefe / 04.08.2026 • 12:45 Uhr
Leserbrief: Das Paradoxon des Facharbeitermangels: Wenn Macht vor Leistung geht

Es ist das Dauerthema in den Wirtschaftsnachrichten: Der Facharbeitermangel bedroht unsere Betriebe. Doch wie passt das mit der Realität in manchen Unternehmen zusammen? Ein aktuelles Beispiel macht fassungslos: Ein junger Mann absolviert seine Lehre als Konstrukteur bei einer bekannten Firma. Er glänzt mit guten Noten, schließt die WIFI-Zwischenprüfung mit gutem Erfolg ab und wird sogar Jahrgangsbester. Ein Vorzeige-Lehrling, wie man ihn sich nur wünschen kann. Das Ende vom Lied? Der Lehrvertrag wurde aufgelöst. Der Grund: Bei einem Mediationsgespräch wurde ein gestecktes Ziel nicht erreicht. Seither stellt sich der zuständige Vorgesetzte quer. Jeder Versuch von Dritten, dem Jugendlichen zu helfen und zu vermitteln, wird rigoros abgewiesen. Die Firma lenkt nicht ein – wegen der persönlichen Haltung einer einzigen Person. Es ist untragbar, dass ein einzelner Vorgesetzter so viel Macht besitzt, um aus persönlicher Antipathie heraus einem jungen Menschen die Zukunft zu verbauen. Wenn Unternehmen so mit ihren besten Talenten umgehen, müssen sie sich über den Facharbeitermangel wahrlich nicht wundern.

Evelyne Grünwald, Fußach