Leserbrief: Fahrverbot für Radfahrer:innen

Zu den Leserbriefen bzgl. Radfahrverbot in der Bregenzer Kaiserstraße:
Mit großem Erstaunen verfolge ich die Leserbriefe jener Radfahrer:innen, die sich darüber beklagen, für das Missachten eines Fahrverbots bestraft worden zu sein. Ein Fahrverbot ist keine unverbindliche Empfehlung. Wer trotzdem hineinfährt, sollte von einer Strafe nicht überraschter sein als jemand, der ohne Fahrschein im Zug sitzt und sich anschließend über den Schaffner beschwert. Regeln verlieren ihren Sinn, wenn sie nur für die anderen gelten sollen. Besonders bemerkenswert finde ich die Erwartung, dass Behörden Fahrverbote zwar verhängen, deren Einhaltung aber bitte großzügig ignorieren sollen. Das wäre ungefähr so, als würde man eine Geschwindigkeitsbegrenzung aufstellen und sich anschließend wundern, dass diese tatsächlich kontrolliert wird. Man kann über Sinn und Zweck einzelner Maßnahmen selbstverständlich diskutieren. In einem Rechtsstaat gehört das dazu. Wer jedoch nicht die Regel selbst kritisiert, sondern deren Kontrolle, beschwert sich letztlich darüber, dass Regeln mehr sind als bloße Druckerschwärze auf Papier. Noch bemerkenswerter ist die Empörung über den Bürgermeister, der auf die Einhaltung des Fahrverbots drängt. Ihn deshalb nicht mehr wählen zu wollen, ist ungefähr so konsequent wie den Rauchmelder zu verfluchen, weil er bei Rauch Alarm schlägt.
Martina Köck, Bregenz