Leserbrief: Wenn der Schnitt die Meinung gleich mitliefert

Vergangenes Wochenende war ich bei der Drag-Queen-Lesung für Kinder in Dornbirn. Dabei wurde ich vom Team von „Vorarlberg heute“ (ORF) nach meiner Meinung zu dieser Veranstaltung gefragt. Meine Antwort war eindeutig: Ich lehne solche Veranstaltungen für Kinder ab. Nicht, weil ich jemandem seine Lebensweise oder persönliche Freiheit absprechen möchte, sondern weil ich der Meinung bin, dass bestimmte Themen und Darstellungen in einem Umfeld, in dem kleine Kinder damit konfrontiert werden, nichts verloren haben. Besonders kritisch, vor allem aber befremdlich sehe ich, dass sogenannte Drag-Künstler zunehmend den Weg in Kindergärten und Schulen suchen und dort den Kontakt zu kleinen Kindern herstellen. Genau diese wichtigere meiner Aussage wurde im fertigen ORF-Beitrag offenbar als entbehrlich betrachtet und herausgeschnitten. Dafür durfte einer der Organisatoren unwidersprochen behaupten, die Kritik an solchen Veranstaltungen sei „Hass und Hetze“. Das ist eine blanke Lüge. Eine interessante Form journalistischer Ausgewogenheit: Die kritische Position wird gekürzt, während die Gegenseite ihre Kritiker pauschal als Hasser und Hetzer darstellen darf. Aber seriöser Journalist sollte man unterschiedliche Standpunkte fair abbilden – und nicht durch Auswahl und Schnitt eine bestimmte Sichtweise bevorzugen. Nicht die Meinung sollte geschnitten werden, sondern der Beitrag sollte die Debatte zeigen. Sonst wird aus Journalismus schnell billige Meinungsmache.
Walter de Meijer, Dornbirn