Leserbrief: System hat versagt

Leserbriefe / 18.08.2026 • 12:00 Uhr
Leserbrief: System hat versagt

Die Tragödie um 400 qualvoll verdurstete und verhungerte Schweine in einem großen Mastbetrieb in Amstetten war nur eine Kurzmeldung wert. Bei allem Verständnis für Überforderung und psychische Ausnahmesituation eines Tierhalters ist der neuerliche Fall einer extremen Vernachlässigung der Versorgung seiner Tiere mit nichts anderem als Versagen des Systems zu erklären: der behördlichen Kontrolle, der Beratungs- und Unterstützungseinrichtungen und nicht zuletzt der sozialen Kontrolle des gesamten Umfeldes des Tierhalters. Ein Betrieb mit 1000 Mastschweinen ist zweifellos eine gewerbliche Tierhaltung. Während andere Gewerbetreibende der Behörde die Erfüllung zahlloser gesetzlicher Auflagen vor Aufnahme ihrer Tätigkeit nachweisen müssen, sind Nutztierhalter von einer tierschutzrechtlichen Bewilligung im Gegensatz zu z. B. Hundepensionen und Reit- und Fahrbetrieben explizit ausgenommen. Das Tierschutzgesetz muss deshalb sofort in Richtung Beweislastumkehr geändert werden. Das behördliche Zulassungssystem kann dann in Kombination mit regelmäßigen Überprüfungen (Tierschutz-TÜV) für einen effektiven Vollzug des präventiven Tierschutzes sorgen. Die Behörde kann dann bereits bei Mängeln deren Beseitigung, noch bevor es zu Tierleid kommt, mit Ruhendstellung oder Entzug der Bewilligung erzwingen. Nachdem sehr viel öffentliches Geld in die Tierhaltung fließt, haben die Steuerzahler und Konsumenten ein Recht auf die Umsetzung des Prinzips des präventiven Tierschutzes, mal ganz abgesehen von den betroffenen Tieren.

Dr. Erik Schmid, Götzis