Leserbrief: Windeln wechseln statt Fahrzeuge einweihen

Wenn der Bundeskanzler meint, Kinder zu erziehen, sei keine Arbeit, dann fragt man sich, in welcher Welt manche Politiker eigentlich leben. Kinder zu erziehen bedeutet nämlich: rund um die Uhr Verantwortung übernehmen, putzen, Streit schlichten, Grenzen setzen usw. – und das alles ohne fettes Gehalt mit/ohne Dienstwagen. Besonders praktisch: Für diese “Nicht-Arbeit” gibt es nicht einmal ein Gehalt. Gerade 160 Kerle wie ich machen das Pensionssplitting. Für manche Volksvertreter (inklusive Ortschefs) scheint das Schwerarbeit zu sein: oft bei Festen auftauchen, Hände schütteln, Bänder durchschneiden, sich über Wölfe entrüsten und bei der Einweihung eines neuen Fahrzeugs freundlich grinsen. Natürlich sind öffentliche Termine Teil politischer Arbeit, aber man muss nicht bei jedem Fest anwesend sein. Deshalb schlage ich Politikern mit diesem Wertbild vor, einen ganz normalen Tag mit Eltern zu tauschen. Nicht für einen Fototermin, sondern für 24 Stunden. Ohne Chauffeur, ohne Feuerwehreskorte mit Blaulicht die Raggalerstraße hoch. Mit kleinem Praxistest (Windeln wechseln) inklusive. Vielleicht würde danach die Erkenntnis kommen: 1. Kinder zu erziehen ist nicht weniger Arbeit, nur weil dafür keine Rechnung geschrieben wird. Im Gegenteil – es ist eine der wichtigsten Arbeiten für die Gesellschaft. 2. Darum als Art Gehalt: verpflichtendes Pensionssplitting.
Christoph Schneider, Ludesch