Leserbrief: Europas Milliarden für den Krieg

Mit wachsendem Unverständnis verfolge ich die immer neuen Milliardenhilfen für die Ukraine. Allein zum Unabhängigkeitstag werden weitere 6,1 Milliarden Euro für Waffen, Raketen und Militärtechnik freigegeben. Gleichzeitig kämpfen viele europäische Staaten mit Rekordschulden, maroder Infrastruktur, überlasteten Sozialsystemen und einer schwächelnden Wirtschaft. Deutschland steckt in der Rezession, Frankreich schleppt einen gewaltigen Schuldenberg mit sich herum, Großbritannien kämpft mit massiven wirtschaftlichen Problemen – dennoch scheint für immer neue Waffenpakete unbegrenzt Geld vorhanden zu sein. Die Botschaft an die Bürger lautet offenbar: Für Schulen, Pensionen, Gesundheitsversorgung und den Mittelstand fehlt das Geld, für den Krieg jedoch nicht. Niemand kann ernsthaft erklären, wo die finanzielle Obergrenze liegt. Europa verschuldet sich immer weiter und verlängert einen Konflikt, dessen Ende nicht näher rückt. Statt diplomatische Lösungen mit Nachdruck einzufordern, wird der militärische Weg zur einzigen Strategie erklärt. Die politische Führung Europas sollte sich endlich fragen, ob sie die Interessen ihrer eigenen Bevölkerung noch ausreichend berücksichtigt. Solidarität hat ihren Platz. Doch wenn aus Solidarität ein milliardenschweres Fass ohne Boden wird, gefährdet Europa seine wirtschaftliche Zukunft und seinen sozialen Frieden.
René Dobler, Feldkirch