Leserbrief: Wunsch nach objektiven, umfassenden Informationen

Julia Ortner hat in ihrem tollen Kommentar in den VN am 25.8.2026 gefordert, dass die Medienschaffenden aufklären und seriöse, korrekte Informationen anbieten sollten. Dadurch sollte ein wesentlicher Beitrag zur eigenen Meinungsbildung als wesentliche Basis für eine funktionierende Demokratie geleistet werden. Bei der heutigen Informationsflut vermisse ich aber immer häufiger Zahlen, Daten, Fakten, Relationen und Zusammenhänge. Um die Aufmerksamkeit zu erhöhen, werden teils Passagen aus dem Zusammenhang gerissen und damit Schlagzeilen gemacht (z. B. der Satz von Kanzler Stocker, dass er Kinderarbeit nicht als Arbeit sehe, was umgehend einen massiven Shitstorm auslöste). Ähnlich waren die Berichte über den “Equal Pension Day” – der Tag, an dem Männer angeblich statistisch schon so viel Pensionen erhalten haben, wie Frauen bis zum Jahresende. Niemand hat hinterfragt, wie sich dieser berechnet. Dieser wurde von einem “Frauenausschuss” unter einem SPÖ-Kanzler und einer SPÖ-Frauenministerin 2015 eingeführt und widerspiegelt in keiner Weise die aktuelle Realität. Es wird dabei von geschlechtsspezifischen Bruttopensionen ausgegangen. Abzüge (bis zu 40 Prozent), Negativsteuern, sonstige Transfer- und Sozialleistungen, Witwenpensionen, ca. 5 Jahre längere Bezugsdauer von Frauen etc. werden nicht berücksichtigt. Statt gemeinsam stolz auf die erreichten Errungenschaften zu sein, wird mit derartigen Informationen “Klassenkampf” betrieben, und Männer werden gegen Frauen ausgespielt.
DI Hermann Wirth, Dornbirn