Leserbrief: Mehr Wolf – mehr Natur

Leserbriefe / 09.09.2026 • 10:30 Uhr
Leserbrief: Mehr Wolf – mehr Natur

Es ist tragisch, wenn ein Tier gerissen wird – keine Frage. Doch Wölfe unterscheiden nicht zwischen schlecht geschützten Nutztieren und natürlicher Beute. Leicht zugängliche, unzureichend geschützte Nutztiere können dabei wie eine ungewollte Anfütterung wirken: Der Wolf lernt, dass dort mit geringem Aufwand Beute verfügbar ist. Ein Elektrozaun per se ist noch keine Aussage über einen ausreichenden Schutz. Befremdlich ist die Aussage des Jägers und Wildbiologen Hubert Schatz, gerissene Wildtiere hätten „Auswirkungen auf die Jagd“. Genau das ist Natur: Schalenwild gehört zur Hauptnahrung des Wolfes. Dass Wölfe Wild erbeuten, ist kein Problemfall, sondern Ausdruck ihrer wichtigen ökologischen Rolle. Gerade Vorarlberg sollte diese wichtige Rolle ernst nehmen. Hohe Schalenwildbestände und die TBC-Problematik beim Rotwild zeigen, dass hohe Wilddichten keineswegs nur Vorteile bringen. Der Wolf kann zur natürlichen Regulation beitragen und erbeutet dabei auch geschwächte oder kranke Tiere. Die Natur ist kein Wildgehege für jagdliche Interessen. Der Wolf jagt Wild – das ist seine wichtige ökologische Funktion, und wo er jagt, wächst der Wald durch weniger Verbiss. Wölfe nehmen Menschen grundsätzlich als potenzielle Gefahr wahr und weichen ihnen aus. Gebäude oder Fahrzeuge lösen hingegen nicht dieselbe Reaktion aus – ihre Nähe bedeutet daher nicht automatisch fehlende Scheu vor Menschen.

Silver Noggler, Landeck