Leserbrief: Bildung braucht wieder Grundlagen

Die PISA-Ergebnisse sind alarmierend, aber für mich keine Überraschung. Das Problem ist größer als Sprachdefizite bei Kindern mit Migrationshintergrund. Auch bei vielen anderen Kindern beobachten wir zunehmend fehlende Schulreife, Konzentrationsprobleme, geringe Ausdauer und Schwierigkeiten bei grundlegenden Fähigkeiten. Gerade beim Lesen zeigt sich, wie vieles zusammenhängt. Lesen braucht Aufmerksamkeit, Sprache sowie gut entwickelte auditive und visuelle Wahrnehmung. Eine zu frühe und intensive Digitalisierung kann jene Erfahrungen und Übungen verdrängen, die Kinder dafür benötigen. Gleichzeitig sollten wir manche Entwicklungen in Kindergärten und Schulen kritisch hinterfragen. Freie und offene Konzepte, offene Lernformen und Clusterschulen sind nicht automatisch Fortschritt. Kinder brauchen Freiheit, aber ebenso Struktur, klare Grenzen, verlässliche Bezugspersonen und Anleitung. Auch Erziehung muss wieder ernster genommen werden. Respekt, Rücksichtnahme, Leistungsbereitschaft und Verantwortung entstehen nicht von selbst. Wenn Grundkompetenzen wie Lesen und Mathematik immer weiter zurückgehen, sollten wir nicht nur mehr Geld und Digitalisierung fordern, sondern uns fragen, ob wir Kindern noch ausreichend Orientierung, Übung und verbindliche Grundlagen vermitteln.Simone Marguerite,Entwicklungs- und Lernzentrum Marguerite, Bregenz