Leserbrief: Klimakatastrophe aus der Sicht eines Ökonomen

Selten hat mich eine Aussage so empört wie jene von Prof. David Stadelmann in seinem Artikel über die Klimaneutralität 2040 im thema vorarlberg (September 2026). Er schätzt die Schäden mit fünf Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2100 ein und möchte uns so weismachen, dass strenger Klimaschutz wahrscheinlich mehr Wohlstand vernichtet, als der Klimawandel kosten würde! Welche Agenda müssen wir hinter dieser Aussage vermuten, da ich ungern an seinem Sachverstand zweifeln möchte. Klimaveränderungen verlaufen über Jahrhunderte, ihre Folgen reichen weit über das Jahr 2100 hinaus. Das Überschreiten klimatischer Kipppunkte, werden katastrophale Auswirkungen auf die menschliche Gesellschaft weltweit haben. Ob solche dramatischen, unumkehrbaren Entwicklungen sinnvoll ökonomisch kalkuliert werden können, ist mehr als zweifelhaft. Schon Nobelpreisträger William Nordhaus berechnete das „Kosten-Nutzen-Optimum“ mit 3,5 Grad Celsius globaler Erwärmung bis 2100. Die Folgen einer solchen „optimalen“ Temperatur, möchte sich niemand für seine Enkel und Urenkel vorstellen. Die Denkweise dieser renommierten Ökonomen bestätigt meine Befürchtung. Wir haben bereits einen Kipppunkt überschritten, der weit weniger beachtet wird als die klimatischen Kipppunkte selbst: Die Fähigkeit der Menschheit, der drohenden globalen Klimakatastrophe gemeinsam, entschlossen und rechtzeitig entgegenzutreten.
Dr. Siegfried Hartmann, Rankweil