Leserbrief: Gegen alles und jedes

Es gibt verschiedenste Gruppierungen gegen alles und jedes, anscheinend gilt vorrangig bei diesen das Prinzip, „verschon‘ mein Haus und zünd’ das des Nachbarn an“, denn wehe, diese Personen müssten selbst mit den logischen Konsequenzen leben. Es gibt Widerstand gegen Handymasten, aber wehe, das eigene Handy hat nicht im hintersten Winkel 100-prozentigen Empfang; sie sind gegen Straßen, aber wehe, die Initiatoren stehen selbst im Stau; Autos werden beschimpft, aber wehe, der Spritpreis steigt um einen Cent; es werden Flugzeuge verteufelt, aber wehe, wenn bei den jährlichen Urlaubs- bzw. Wochenend-Städte-Billig-Einkaufs-Trip-Flügen längere Verzögerungen eintreten; es werden Bahnanschlüsse verhindert, aber „Güter auf die Bahn“ gefordert; es werden ortsansässige Betriebe blockiert, aber über abwandernde Arbeitsplätze gejammert; Asylanten- und Ausländerintegration wird gefordert, aber ja nicht im Nebenhaus; es werden Müllentsorgungen bekämpft, aber wehe, wenn der eigene Müll nicht günstig entsorgt werden kann; sie sind gegen Kraftwerke, aber selber Strom sparen ist für sie ein Fremdwort; usw. Dringend nötig wäre endlich eine Gruppierung gegen Ichsucht, Intoleranz, Engstirnigkeit, eingeschränkte Sichtweise, Neid und vor allem Dummheit. Anscheinend sind logischer Hausverstand, uneingeschränkter Weitblick, zusammenhängendes Denken, tatsächlich gelebte Toleranz vom Aussterben bedrohte Spezies. Nun, vielleicht würde allein schon die Einsicht nützen, ob jeder auch wirklich bereit ist, die aus den eigenen Forderungen resultierenden Konsequenzen selbst zu tragen.
Manfred Neurauter, Ludesch