Leserbrief: Kapitalismus ist nicht das Umweltproblem

Leserbriefe / 18.09.2026 • 11:09 Uhr
Leserbrief: Kapitalismus ist nicht das Umweltproblem

Leserbrief zum Kommentar von Reinhold Bilgeri in der VN vom17.9.2026 „Rufer in der Wüste (3)“. Reinhold Bilgeri greift in seinem Kommentar die Wachstumskritik von Ulrike Herrmann auf. Dabei lohnt sich ein Blick auf die ökonomische Forschung statt auf die nächste Schrumpfungsutopie. Benjamin M. Friedman zeigt in seinem epochalen Werk The Moral Consequences of Economic Growth anhand einer gewaltigen historischen und internationalen Datenbasis: Steigender Wohlstand schafft nicht nur bessere Lebensbedingungen, sondern auch die finanziellen und technologischen Voraussetzungen für wirksamen Umweltschutz. Und nein: Kapitalismus „braucht“ nicht zwangsläufig immer mehr Ressourcen. Im Gegenteil: Knappheit erzeugt Preise – und Preise erzeugen Anreize, Ressourcen einzusparen, Alternativen zu entwickeln und Innovationen hervorzubringen. Genau darin liegt eine Stärke der Marktwirtschaft. Hayek nannte den Glauben, komplexe wirtschaftliche Entwicklungen zentral planen zu können, die „Anmaßung von Wissen“. Mises wiederum zeigte, warum ohne funktionierende Marktpreise eine rationale Wirtschaftsrechnung scheitert. Wir brauchen daher keine ökosozialistische Schrumpfkur, sondern mehr Wettbewerb, Eigentum, Innovation und technologischen Fortschritt. Die Umwelt wird nicht dadurch gerettet, dass wir Wohlstand vernichten. Fortschritt entsteht nicht durch Schrumpfen, sondern durch klügeres Wirtschaften. 

Dr. Christoph Nussbaumer, Hohenems