Leserbrief: Land hält wenig von Naturschutz

Leserbriefe / 24.09.2026 • 12:00 Uhr
Leserbrief: Land hält wenig von Naturschutz

Am Beispiel Rheindelta zeigt sich das geringe Interesse der Vorarlberger Landesregierung am Naturschutz deutlich. Das Rheindelta wurde zwar vor 50 Jahren zum Naturschutzgebiet erklärt und mit dem EU-Beitritt als Natura-2000-Gebiet ausgewiesen. Gemäß der entsprechenden EU-Richtlinie gelten für Bezirksverwaltungsbehörden und das Land sowohl ein Verschlechterungsverbot als auch ein Verbesserungsgebot. Doch was geschah in den letzten Jahrzehnten? Fast nichts – es ging nur abwärts! Das ehemalige Feuchtgebiet wurde mit drei Pumpstationen trockengelegt, zahlreiche Vogelarten sind dadurch ausgestorben. Überwinternde Zugvögel aus Nordeuropa, z. B. Singschwäne, wurden von einzelnen Landwirten mit Knallkörpern und Prügeln vertrieben – laut Naturschutzverordnung eine strafbare Handlung. Dies hätte von der Bezirkshauptmannschaft geahndet werden müssen. Für die nächsten drei Winter hat die Bezirkshauptmannschaft Bregenz nun per Verordnung mit einem unzureichenden Argument den Abschuss von je 150 Pfeifenten genehmigt und fordert zudem die Fortsetzung der verbotenen Vergrämung. Ein Berufungsrecht wurde der Naturschutzanwaltschaft einzig in Vorarlberg schon bisher vorenthalten. Jetzt sollen durch eine Novelle zum Naturschutzgesetz zahlreiche natur- und klimaschädliche Maßnahmen bewilligungsfrei werden. Damit soll die Naturschutzanwaltschaft von den meisten Verfahren ausgeschlossen werden – das ist sachlich absolut nicht zu rechtfertigen! Und schließlich sollten im Rheindelta verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Artenvielfalt endlich umgesetzt werden, um kein Vertragsverletzungsverfahren der Europäischen Kommission zu riskieren!

Hubert Salzgeber, Dornbirn