Leserbrief: Vorsichtiger Optimismus? Eher ökonomischer Realismus!

Hanno Loewy blickt “vorsichtig optimistisch” auf einen möglichen Linksruck in Berlin. Mir fehlt dafür jede ökonomische Grundlage. Die Linke ist historisch über die PDS mit der SED verbunden, jener Staatspartei, die für die DDR-Diktatur und die Mauermorde politische Verantwortung trug. Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt diese Entwicklung ausdrücklich. Besonders irritiert mich Loewys Formulierung, der Linken würden “Antisemitismus und alles Mögliche” unterstellt. Antisemitismus ist keine Petitesse und kennt keine politische Rabattstaffel. Er ist entschieden abzulehnen, ob er von rechts, links oder aus religiösem Extremismus kommt. Auch ökonomisch wäre etwas mehr Skepsis angebracht. Berlin erwartet 2026 ein Finanzierungsdefizit von rund 4,6 Milliarden Euro. Gleichzeitig setzt die Linke unter anderem auf stärkere Mietregulierung und die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände. Gerade Berlin sollte jedoch Hayeks alte Lektion kennen: Knappheit lässt sich nicht wegregulieren. Empirische Untersuchungen zum Berliner Mietendeckel zeigen sinkendes Mietwohnungsangebot und Investitionsprobleme infolge solcher Eingriffe. Wer bezahlbaren Wohnraum will, braucht vor allem mehr Wohnungen, schnellere Genehmigungen, weniger Bürokratie und Investitionsanreize. Sozialismus scheitert nicht daran, dass man ihn zu zaghaft betreibt.
Dr. Christoph Nussbaumer, Hohenems