Leserbrief: Klimaschutzmaßnahmen: Fakten statt zugespitzter Prognosen

Leserbriefe / 28.09.2026 • 12:45 Uhr
Leserbrief: Klimaschutzmaßnahmen: Fakten statt zugespitzter Prognosen

Die Leserbriefaussage “2028 müssen wir mit einem Totalverlust des Nordpoleises rechnen” ist irreführend und sollte in einer sachlichen Diskussion über Klimaschutzmaßnahmen nicht als wissenschaftliche Prognose dargestellt werden. Die häufig dafür angeführte Studie von Wang und Overland aus dem Jahr 2009 untersuchte das arktische September-Meereis. Als “nahezu eisfrei” definierten die Autoren eine verbleibende Fläche von weniger als 1 Mio. km² – nicht einen Totalverlust. Der von den Autoren berechnete Median lag bei 2037. 2028 war lediglich das erste Quartil der statistischen Verteilung, also ein früher Rand der Modellberechnungen. Ein Blick auf die tatsächlichen Messdaten ist ebenfalls angebracht: Das Septemberminimum 2026 lag laut National Snow and Ice Data Center bei 4,60 Mio. km². Damit ist die in der Studie verwendete Schwelle von 1 Mio. km² noch deutlich entfernt. Der langfristige Rückgang des arktischen Meereises ist damit keineswegs bestritten. Gerade deshalb sollte die Debatte über Klimaschutzmaßnahmen auf belastbaren Fakten beruhen. Aus einer statistischen Modellspanne von 2009 eine konkrete Prognose eines vollständigen Eisverlusts im Jahr 2028 zu machen, ist wissenschaftlich nicht gerechtfertigt und somit irreführend.

DI Andreas Lunardon, Hard