Leserbrief: Rhesi – noch zeitgemäß oder teure Fehlplanung?

Der Sommer 2026 hat deutlich gezeigt, was uns bei anhaltender Klimaerwärmung bald wieder erwarten dürfte: längere Schönwetterperioden mit neuen Rekordtemperaturen, exponentiell zunehmender Wasserverdunstung und regional länger ausbleibenden Niederschlägen. Die Folgen dieser Entwicklung reichen vom raschen Abschmelzen der Gletscher über das Austrocknen von Wasserquellen und Bachläufen bis hin zu Problemen beim Schiffsverkehr auf dem Bodensee und dem Niederrhein. Die Gefahr von sintflutartigen Niederschlägen und Überschwemmungen gemäß Rhesi hat sich bisher nicht bestätigt. Der im Milliardenprojekt unterstellte Wasserabfluss von 4300 Kubikmetern pro Sekunde ist als Angstmacherei im Raum stehen geblieben. Kürzlich hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) in Bern aus den Abflussmessungen an der Diepoldsauer Rietbrücke die Hochwasserstatistik bis 2025 nachgeführt. Diese zeigt, dass sich das größte Hochwasser der letzten 107 Jahre am 19.7.1987 ereignete und 2661 m3/s erreichte. Dieser Wert dürfte sich einmal in 132 Jahren wiederholen. Das ominöse 300-jährliche Hochwasser erreicht nach BAFU 2848 m3/s und hätte im bestehenden Rheinbett immer noch Platz. Mit dem statistischen “Sicherheitszuschlag” von 562 m3/s würde die Abflussmenge die höchste Gefahrenstufe 4 übersteigen. Es wäre darum zu wünschen, dass diese kritische Übermenge mittels geeigneter Stauwerke als lebenswichtige Wasserreserve im Alpenraum zurückgehalten werden könnte. Die Rhesi-Milliarden dürften dafür ausreichen.
Werner Luder, Balgach (CH)