Leserbrief: Bei der Wahrheit bleiben

Leserbriefe / 08.10.2026 • 11:54 Uhr
Leserbrief: Bei der Wahrheit bleiben

Herr Piffer behauptete am 8.10., Bundespräsident VdB hätte nur die Wahrheit (in Bezug auf Israel) gesagt, dabei sollte Piffer selbst bei der Wahrheit bleiben: Netanjahu wurde vom IStGH nicht verurteilt; es läuft ein Verfahren – und zwar ausdrücklich nicht wegen Völkermords, wie behauptet. Van der Bellen ist zudem entgegen Piffers Behauptung kein Diplomat, sonst hätte er vermutlich anders gehandelt. Denn seine nicht mit der Bundesregierung abgesprochene Israel-Kritik kam zur Unzeit im Rahmen der UNO-Generalversammlung. Damit stimmte Österreich in einen Chor aus Despoten, Diktatoren, Islamisten und Antisemiten mit ein, die diese Versammlung regelmäßig zu einem einseitigen Tribunal missbrauchen. Auch Piffers Darstellung zur Zweistaatenlösung ist falsch. In den vergangenen Jahrzehnten war ein eigener palästinensischer Staat mehrfach zum Greifen nahe, wurde jedoch stets mehrheitlich von palästinensischer Seite vereitelt bzw. abgelehnt. Eine Demilitarisierung als “unhaltbare Auflage” darzustellen, ist abwegig: Auch Österreich durfte nach 1945 zehn Jahre lang kein eigenes Heer haben. Auch unter Einbeziehung des Kontexts gibt es an der Siedlungspolitik und dem Gaza-Einsatz vieles zu kritisieren. Aber faktenwidrige Kritik, das Ausblenden der permanenten Bedrohung Israels und das Messen mit zweierlei Maß sind gefährlich. Sie schüren lediglich den Antisemitismus, den es im Land ohnehin schon genug gibt.

Marcel Nitz, Hörbranz