Leserbrief: Frauenverachtung ist kein geschmackloser Spaß!

Eine Politikerin als sexualisierte Puppe in Unterwäsche, mit Sextoy in der Hand, als Kulisse einer Schießübung. Und teilnehmende Exekutivbeamte wollen nichts bemerkt haben? Ernsthaft? Ich weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, als Politikerin in Unterwäsche dargestellt und lächerlich gemacht zu werden. Damals waren es Faschingsprinzen, heute sind es Exekutivbeamte. Offenbar hat sich am Frauenbild in Vorarlberg erschreckend wenig geändert. Wie viel Frauenverachtung muss in Vorarlberg eigentlich noch als Humor durchgehen? 2024 wurde in Kennelbach zudem eine junge Frau ermordet. Die berührende, von Frauen organisierte Gedenkveranstaltung ist mir bis heute in Erinnerung. Landespolizeidirektorin Uta Bachmann kündigt dienstrechtliche Überprüfungen und Sensibilisierung an. Doch das allein reicht nicht! Es braucht Aufklärung, klare Konsequenzen und eine kritische Auseinandersetzung mit sexistischen Denkmustern innerhalb der Polizei. Das mühsam aufgebaute Vertrauen von Frauen in die Polizei wird durch solche Vorfälle immer wieder erschüttert. Wie sollen Frauen jenen Männern vertrauen, an die sie sich bei Gewalterfahrungen wenden sollen, wenn diese eine sexualisierte Erniedrigung angeblich nicht einmal wahrnehmen? Nein, hier geht es nicht um Geschmacklosigkeit. Hier geht es um ein grundlegendes Problem der Haltung gegenüber Frauen.
Sandra Schoch, Ehem. Stadträtin für Frauen und Gleichstellung, Landtagsvizepräsidentin a. D., Bregenz