Leserbrief: Wer schützt die Natur?

Leserbriefe / 21.10.2026 • 14:45 Uhr
Leserbrief: Wer schützt die Natur?

Zum Interview mit Landwirtschaftskammerpräsident Moosbrugger, VN vom 17./18.10.2026. Herr Moosbrugger fragt, ob Leserbriefschreiber je etwas für die Natur getan hätten. Ich lebe im Dornbirner Berggebiet und sehe: massive Gülle- und Mistausbringung, Wiesen ohne Blumen, verbuschende Alpflächen. Privatpersonen hingegen investieren in Photovoltaik und Speicher, fahren E-Auto, Fahrrad und Öffis. Kein Wort verliert er zum Renaturierungsgesetz, das die Kammer bekämpfte. Kein Wort dazu, dass die Landwirtschaft in Österreich rund zehn Prozent der Treibhausgase verursacht, in erster Linie Methan aus der Viehhaltung, und wie sie nach Hitzesommer und anhaltendem Wassermangel gegensteuern will. Moore erst ab 500 statt 100 Quadratmetern zu schützen, verteidigt er, beim Uferschutz hätte er gern null Meter. Damit Gülle ungehindert in den Bach gelangt? In Vorarlberg stammt laut Grünem Bericht ein Viertel des landwirtschaftlichen Ertrags aus öffentlichen Geldern. Die EU koppelt Förderungen an Nachhaltigkeit, die Kammer will dagegen Naturschutz abbauen. Wer Förderungen kassiert, muss liefern! Moosbrugger forderte, Landwirtschaft und Umwelt in einem Ministerium zu bündeln. Nun leitet es ein ehemaliger Bauernbund-Direktor. Das heißt, den Bock zum Gärtner zu machen. Vertritt eine Kammer mit Pflichtmitgliedschaft die Bäuerinnen und Bauern oder vor allem ihre Lobby? Höchste Zeit, das Kammerwesen zu hinterfragen.

Otto Bechter, Dornbirn