Die blinde Wut im Namen von…

Leserservice / 03.09.2019 • 16:20 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
„Wut“ von Elfriede Jelinek ist das zweite Stück, welches das Ensemble UNPOP dieses Jahr präsentiert.UNPOP
„Wut“ von Elfriede Jelinek ist das zweite Stück, welches das Ensemble UNPOP dieses Jahr präsentiert.UNPOP

Das Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung zeigt „Wut“ von Elfriede Jelinek im Kulturhaus.

20 Uhr, kulturhaus, dornbirn Im antiken Mythos ist es die Göttin Hera, die den Helden Herakles blind vor Wut macht, sodass er im Rausch die eigene Familie tötet. 2015 heißen die Götter anders, auch der Gott jener drei jungen Männer, die in Paris die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo und einen jüdischen Supermarkt stürmen und insgesamt zwölf Menschen umbringen. In einem wütenden Text setzt sich Elfriede Jelinek mit heutigen politischen Ereignissen wie stets vor der Folie lang währender Geschichte auseinander. Wut äußert sich hier nicht nur vielstimmig und aus wechselnder Perspektive in Gestalt islamistischer Terroristen, in Gestalt von deutschen Wutbürgern, individueller narzisstischer Kränkung oder brutalen Verteilungskämpfen rund um den Globus. Wortmächtig und gedankenklar artikuliert Jelinek ihre eigene Sprach-, Rat- und Fassungslosigkeit angesichts der Verbrechen und kehrt nebenbei immer wieder auf den Widerspruch zwischen religiösem Darstellungsverbot und der Bilderflut im Netz zurück. „Wut“ ist ein kleines großes Epos, das vor Ur-Zeiten beginnt und heute versucht, das Unbeschreibliche zu beschreiben und nachzuvollziehen, was nicht verstehbar ist. Die heutige Premiere ist ausverkauft, für die Vorstellungen am 5., 19., 20., 21. und 22. September gibt es noch Karten. VVK: Ländleticket, ensemble.unpop@gmx.at