Kampf gegen Abschiebung

Sonderpädagogisches Zentrum Dornbirn setzt sich für Schüler und dessen Familie ein.
Dornbirn Mit einem Lachen wirft sich Edison in die Arme seiner Lehrerin. Der siebenjährige Flüchtlingsbub aus Nigeria ist im Umgang mit anderen noch ziemlich stürmisch unterwegs. „Aber lange nicht mehr so, wie es am Anfang der Fall war“, sagt Ingrid Achorner (38) und streicht ihm über das Kraushaar. Seit Herbst 2017 wird Edison im Sonderpädagogischen Zentrum in Dornbirn unterrichtet. Verschiedene Befunde attestieren ihm eine schwere Traumatisierung sowie eine ausgeprägte Entwicklungsverzögerung. Dank konstanter Betreuung und Therapien reift Edison nun aber langsam zu einem umgänglichen Kind heran. Jetzt ist das alles gefährdet, denn der Familie mit vier Kindern, von denen das Jüngste erst vier Wochen alt ist, droht die Abschiebung. Die Schule will das jedoch nicht hinnehmen und kämpft für Edison. Da der abschlägige Asylbescheid rechtskräftig ist, kann aber nur noch die Politik helfen. „Wir hoffen sehr, dass sich die Verantwortlichen im Land für ein humanitäres Bleiberecht einsetzen“, sagt Direktor Bruno Fußenegger (62). „Es gibt keinen Grund, ihnen dieses Menschenrecht zu verweigern“, ergänzt er.
Angst vor der Rückkehr
Die Stimmung im Raum ist gedrückt. Joy Imade (37) hält das Baby fest an sich gedrückt. Der Kleine schlummert selig in den Armen der Mutter. Ihn kümmern die Sorgen nicht, die seinen Vater Jeffrey (42) plagen. Der spricht von einer schwierigen Situation und von der Angst, als Christ in ein von Muslimen dominiertes Land zurückkehren zu müssen. Die Mutter, Joy Omade, befürchtet, ihre beiden Töchter, fünf und drei Jahre alt, könnten, so wie sie, in Nigeria der Beschneidung zum Opfer fallen. Die Behörden vernahmen diese und andere Gründe, schenkten ihnen jedoch keinen Glauben. Jeder Einspruch gegen den negativen Asylbescheid wurde abgeschmettert. Die Familie, heißt es in der Begründung unter anderem, sei in Nigeria sehr wohl sicher und könne dort auch ihren Lebensunterhalt bestreiten.
Stabile Strukturen
Edison betreffend lautet die lapidare Feststellung, der Bub leide unter keiner Krankheit, die einer Rückführung in seinen Herkunftsstaat entgegenstehe. Für seine Klassenlehrerin, Ingrid Achorner, ist hingegen klar: „Das Herausnehmen aus der vertrauten Umgebung würde für Edison einen schweren Rückfall bedeuten.“ Zudem würde er die für seine Entwicklung absolut notwendigen Therapien und pädagogischen Förderungen in Nigeria nicht erhalten. „Diese zu bekommen, war schon in Vorarlberg schwierig“, merkt sie an. Auch Bruno Fußenegger unterstreicht: „Edison braucht Kontinuität und stabile Strukturen.“ Es gehe nicht an, ein beeinträchtigtes Kind in eine absolut ungewisse Zukunft abzuschieben, fordert der Schulleiter die Anwendung des humanitären Bleiberechts. „Es liegt in der Verantwortung der Politik, hier eine positive Entscheidung zu treffen.“ Alle beschreiben die Familie Osaghea als äußerst integrationswillig und im schulischen Kontext stets kooperationsbereit. „Sie zeigen großes Interesse daran, Edison mit professioneller Hilfe in seiner Entwicklung zu unterstützen“, bestätigt Ingrid Achorner.
Auch die Stiftung Jupident, wo Edison den Heilpädagogischen Kindergarten besuchte, setzt sich in einem Brief an Sicherheitslandesrat Christian Gantner für den Verbleib der Familie Osaghea ein. Das Sonderpädagogische Zentrum wird sich ebenfalls noch schriftlich an Landeshauptmann und Sicherheitslandesrat wenden. Gantner war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die Familie Osaghea reiste 2013 mit zwei Kindern von Griechenland nach Österreich, wo sie einen Asylantrag stellte. Die beiden jüngeren Kinder wurden bereits in Vorarlberg geboren.