Ein Leuchtturm mit viel Herz

Vorarlberg / 10.03.2026 • 14:00 Uhr
Für Stefanie Helm ist ihr Beruf mehr als ein
Für Stefanie Helm ist ihr Beruf mehr als ein “9-to-5-Job” – er ist eine echte Herzensangelegenheit für sie. privat

Stefanie Helm begleitet junge Menschen zum Pflichtschulabschluss.

Dornbirn Beim Betreten der Dornbirner Jugendwerkstätten fällt im ersten Stock der Blick sofort  auf einen großen, gemalten Leuchtturm. Er steht sinnbildlich für Orientierung – und stammt von Stefanie Helm. An diesem Mittwoch verabschiedet sie gerade ihre zwölf Schülerinnen und Schüler: “Wir sehen uns morgen in Englisch wieder, denkt an die Vokabeln!” Ein Satz wie aus einem ganz normalen Schulalltag, und doch ist hier vieles ganz anders.

Stefanie Helm (2. v. re.) mit ihrem Leuchtturm-Team: Elmar Luger, Ingo Schrank, Elisabeth Bischof und Direktor Christian Purin.
Stefanie Helm (2. v. re.) mit ihrem Leuchtturm-Team: Elmar Luger, Ingo Schrank, Elisabeth Bischof und Direktor Christian Purin.

Seit 19 Jahren arbeitet Helm im Projekt Leuchtturm, das jungen Menschen den Pflichtschulabschluss ermöglicht. “Wenn ich zurückdenke, wie einfach wir angefangen haben, kommt mir manchmal der Spruch vom Tellerwäscher zum Millionär in den Sinn”, sagt sie lachend. Für sie begann alles 2007, als sie nach einer Kommunikationsausbildung auf ein Zeitungsinserat des damals noch “Bildungsprojekt Hauptschule” genannten Projekts stieß. Die formalen Voraussetzungen fehlten zwar, die Begeisterung für die Arbeit mit Jugendlichen nicht. Helm wurde genommen – und startete mit Flipchart und Stift in ein Berufsabenteuer, das sie bis heute erfüllt.

Heute unterrichtet Stefanie Helm Mathematik und Englisch, zu Beginn ihrer Tätigkeit waren es noch 14 Fächer, die auf dem Unterrichtsplan standen.
Heute unterrichtet Stefanie Helm Mathematik und Englisch, zu Beginn ihrer Tätigkeit waren es noch 14 Fächer, die auf dem Unterrichtsplan standen.

Damals unterrichtete sie allein 14 Fächer, sogar Kochen und Turnen, Schulmaterialien waren Mangelware. Alte Bücher aus der MS Bergmannstraße halfen aus. Mit der Einführung des österreichweiten Pflichtschulabschlusses änderten sich die Rahmenbedingungen grundlegend. Dornbirn war mit seinem Projekt österreichweiter Vorreiter.

Aus der anfänglich “gedachten” Nachhilfe wurde rasch eine umfassende Begleitung. “Die Voraussetzungen der Jugendlichen waren und sind höchst unterschiedlich”, erzählt sie. Aus einer Klasse wurden zwei, heute unterrichtet Helm mit zwei weiteren Lehrpersonen – und zweimal jährlich schließen zwei Klassen mit je zwölf Jugendlichen ab.

Stefanie Helm hat schon hunderte Schüler erfolgreich zum Pflichtschulabschluss geführt.
Stefanie Helm hat schon Hunderte Schüler erfolgreich zum Pflichtschulabschluss geführt.

Dabei setzt sie auf selbst gestaltete Materialien. Sie macht die Unterrichtsbücher selbst, verschiedene Lernhilfen, ja sogar die Uhr an der Wand. “Ich muss meine Schüler dort abholen, wo sie stehen”, sagt die zweifache Mutter. In ihren Klassen sitzen Jugendliche verschiedensten Alters, aus vielen Nationen, mit ganz unterschiedlichen Geschichten. Was sie alle verbindet, ist das Ziel. Die Zeugnisverteilung ist oft emotional, “Tränen gehören eigentlich immer dazu”, verrät die engagierte Lehrerin. Der schönste Lohn sind Sätze wie: “Danke, dass ich lernen hab dürfen.”

Sogar die Schul-Uhr wurde von Stefanie Helm selbst gebastelt, ebenfalls eine praktische Lernhilfe.
Sogar die Schul-Uhr wurde von Stefanie Helm selbst gebastelt, ebenfalls eine praktische Lernhilfe.

Für Helm ist der Job mehr als ein Beruf – er ist eine Herzenssache. Besonders wichtig ist ihr, dass die Jugendlichen im Leuchtturm oft erstmals ein echtes Erfolgserlebnis erfahren. Insgesamt wurden hier bereits 706 Pflichtschulabschlüsse erreicht. Und hinter jeder Zahl steht eine persönliche Geschichte. Stefanie Helm gibt ihren Schülern am Ende immer denselben Satz mit: “Niemals aufhören – zu lernen, an sich zu glauben und große Ziele zu haben.” Auch nach so vielen Jahren verliert diese Botschaft für sie nichts an Kraft. Im Gegenteil. Jeder Abschluss bestätigt sie darin, dass Bildung Zeit, Geduld und Menschlichkeit braucht – und manchmal einfach einen Leuchtturm, der den Weg weist. CTH

Die engagierte Lehrerin setzt auf selbstgemachtes Schulmaterial.
Die engagierte Lehrerin setzt auf selbst gemachtes Schulmaterial.

“Mein Job wird nie langweilig. Ich liebe es, die Entwicklung meiner Schülerinnen und Schüler zu sehen – nicht nur beim Lernen, sondern auch persönlich – und einen positiven Einfluss auf ihre Zukunft zu haben.”

Leuchtturm-Leiterin Stefanie Helm.

Zur Person

STEFANIE HELM
GEBOREN AM 2. Juli 1987
WOHNORT Dornbirn
BERUF Projektleiterin Leuchtturm in den DJW
FAMILIE verheiratet, 2 Kinder
HOBBYS Kreativ sein mit den Händen – im Garten, bei der Handarbeit, Basteln etc.

Stefanie Helm ist es wichtig, auf ihre Schülerinnen und Schüler dort abzuholen, wo sie gerade stehen.
Stefanie Helm ist es wichtig, ihre Schülerinnen und Schüler dort abzuholen, wo sie gerade stehen.
Der Dornbirnerin ist wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler sich nicht nur inhaltlich, sondern auch persönlich weiterentwickeln.
Der Dornbirnerin ist wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler sich nicht nur inhaltlich, sondern auch persönlich weiterentwickeln.
Ihre kreative Ader kommt auch beim Gestalten des Unterrichts zur Geltung.
Ihre kreative Ader kommt auch beim Gestalten des Unterrichts zur Geltung.