„So was schafft nur der Mittelstand“

Markt / 19.11.2012 • 21:53 Uhr
Uwe Möller – Club of Rome – findet, dass der LifeCycle Tower, der gestern eröffnet wurde, den Weg in die Zukunft zeigt. Fotos: VN/franc
Uwe Möller – Club of Rome – findet, dass der LifeCycle Tower, der gestern eröffnet wurde, den Weg in die Zukunft zeigt. Fotos: VN/franc

Uwe Möller ist bester Laune. Und das obwohl seine Botschaften durchaus düster sind.

Dornbirn. Es gibt also doch Hoffnung. Ein Lichtblick hat der Wirtschaftsexperte in Dornbirn entdeckt. Der Life Cycle Tower, den die Firma Cree gestern eröffnet begeistert den Hamburger Wirtschaftsforscher, weil das Gebäude genau das verkörpert, was er seit Jahrzehnten in Vorträgen, bei Kongressen und Seminaren propagiert. Ein Gebäude, in dem Ressourcen klug eingesetzt werden, das, wenn es nicht mehr gebraucht wird, komplett wieder verwertet werden kann. „So was schafft nur der Mittelstand“, stellt Möller fest, „ein Hedgefonds macht sowas nicht“.

Zukunftsfonds für alle

Vom Erfolg des Gebäudes ist er überzeugt. „Das wird ein Schlager“, singt er das Loblied auf die Vorarlberger Innovatoren und stellt fest, dass in Vorarlberg überhaupt viel geschehe in Sachen Nachhaltigkeit. „Dieses Land bemüht sich unheimlich, was zu tun.“ Es sei klar, dass sich solche Pionierleistungen schlussendlich wirtschaftlich rechnen müssen, so der Volkswirtschaftler, der dem einflussreichen Club of Rome auch acht Jahre als Generalsekretär diente. Er appelliert aber an die Unternehmer, bei den Gewinnmargen mit Augenmaß zu agieren. „Man muss nicht alles bis zum letzten Anschlag auspressen. Es ist auch wichtig, dass Unternehmer etwas machen, das darüber hinaus Bedeutung hat“, versucht er die Unternehmen zu einem Quäntchen Gemeinwohl zu animieren. Es gelte die Chancen zu nutzen – erneuerbare Energie, nachwachsende Rohstoffe. Das sei schließlich ein Zukunftsfonds, der alle belohne. „Wenn wir so weitermachen, werden wir die Kosten von Naturkatastrophen, von Auseinandersetzungen und anderen Krisen tragen müssen.“ Da sei es doch besser, die Chancen zu nutzen.

Der Club of Rome hat oft Kritik dafür einstecken müssen, allzu pessimistisch in die Zukunft zu schauen. In den Berichten des Clubs wurde schon früh vor Umweltkatastrophen gewarnt, die Verknappung der Rohstoffe war ebenso Thema wie die Folgen falscher Finanzpolitik. Vieles ist tatsächlich eingetreten, manches Gott sei Dank nicht. Berichterstatter und Kritiker streiten denn auch darüber, ob z. B. Umweltschäden deshalb nicht eingetreten sind, weil der CoR darüber berichtete oder ob der Report falsch war. Möller sieht die Lage pragmatisch: „Alles was wir heute sichern, wird unser Überleben in Zukunft unterstützen. Und überhaupt: Energie, die gespart werde, sei für Firmen schließlich auch Gewinn.

Möller, was hast du mit der Schöpfung gemacht?

uwe MÖLLER

Club of Rome

Der Club of Rome ist eine Vereinigung von Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik aus allen Regionen der Erde. Er wurde 1968 in Rom ins Leben gerufen mit dem Ziel, sich für eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft einzusetzen. Die Weltöffentlichkeit kennt den Club of Rome seit 1972 durch den viel diskutierten Bericht „Die Grenzen des Wachstums“, dem bisher weitere 30 Berichte folgten.

Uwe Möller (1935 in Hamburg geboren) ist ein deutscher Ökonom und seit 1986 Mitglied des Club of Rome. Von 1999 bis Ende 2007 war er ehrenamtlich der Generalsekretär der weltweiten Organisation. Während dieser Zeit arbeitete er eng mit dem damaligen Vorsitzenden, Prinz Hassan ibn Talal zusammen. Bis heute ist er Mitglied in der Deutschen Gesellschaft Club of Rome.