„Landesraumplanung behindert uns massiv“

Markt / 08.02.2013 • 21:49 Uhr
Durch einen Lebensmittelmarkt würde auch das Vinomna Center an Attraktivität gewinnen, sagt Bürgermeister Summer. Foto: VN/Hofmeister
Durch einen Lebensmittelmarkt würde auch das Vinomna Center an
Attraktivität gewinnen, sagt Bürgermeister Summer. Foto: VN/Hofmeister

Rankweil im Brennpunkt. Bürgermeister und Handel kämpfen mit großen Auflagen.

Rankweil. Die Marktgemeinde Rankweil liegt strategisch vorteilhaft – und ist deshalb auch für den Handel und andere Branchen ein begehrter Standort. Wie viele andere Gemeinden hat Rankweils Peripherie mit Merkur-Markt und anderen Einkaufszielen den zumindest in Vorarlberg anhaltenden Trend zu Ansiedlungen auf der grünen Wiese mitgemacht. Damit ist schon länger Schluss. Bürgermeister Martin Summer setzte in seiner Amtszeit bereits einige Zeichen, die belegen, dass ihm ernst ist mit der Belebung des Ortskerns.

Direkt neben dem Rathaus ist das Vinomna Center entstanden – mit Gastronomie und Shops zweifelsohne ein Signal. Dass es dennoch mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen hat, liege da­ran, dass ein Magnet wie ein Lebensmittelgeschäft fehle, behaupten Handelsexperten. Das könnte immer noch anders werden, obwohl die Zeichen dagegen sprechen. Immerhin hat sich die Firma Sutterlüty zu einer innovativen Lösung für ihre Aktivitäten in der Marktgemeinde entschlossen. Die Fläche des geplanten Marktes in der Stiegstraße wurde verringert, dafür ein weiterer Markt im Vinomna Center vorgeschlagen.

Zweierlei Maß?

Was für Bürgermeister Summer eine gute Idee ist, kommt bei der Raumplanung des Landes nicht so gut an. Das verstehen weder Summer – „in Sulz wurde ein doppelt so großer Markt mit 800 Quadratmetern in kürzester Zeit genehmigt“ – noch der Projektwerber, Jürgen Sutterlüty: „Bisher hat uns nur die Projektierung eine halbe Million Euro gekostet, obwohl wir mit der Gemeinde und der Raumplanung sehr konstruktiv zusammengearbeitet haben.“ Der Vorarlberger Nahversorger stellt nun das gesamte Projekt infrage: „So wie das jetzt angedacht ist beziehungsweise was uns von einzelnen Personen in der Raumplanung vorgeschrieben wird, rechnet sich das Projekt in Rankweil nicht. Die Verkaufsfläche lässt sich nicht kostendeckend bewirtschaften.“ Die Auflagen können nicht erfüllt werden. Das sei mutwillige Beschädigung eines einheimischen Unternehmens, macht sich Sutterlüty im Gespräch mit den VN Luft. Und setzt nach: „Wenn man sich die Entscheide des Raumplanungsbeirats anschaut, dann waren fünf Gutachten für uns negativ und für einen Mitbewerber fünf Gutachten positiv …“

Keine Reaktion auf Anzeigen

Bürgermeister Summer sieht sich in seinen Bestrebungen ebenfalls ausgebremst: „Ich habe bei der BH Feldkirch Anzeige gegen große Märkte erstattet, die andere und mehr Artikel verkaufen als sie dürfen.“ Gehört habe er dann nichts mehr. Ein wichtiges Signal sei gewesen, dass nicht widmungsgemäß bewirtschaftete Verkaufsflächen an der Bundesstraße in Brederis gesperrt worden seien.

BayWa an die Peripherie

Mit Widerstand hat in Rankweil nun auch der Gartenpark Geringer zu kämpfen. Nach der Ankündigung der Verpachtung an die BayWa hat sich ein Nachbar besonders engagiert und mobilisiert gegen „ein stark erhöhtes Verkehrsaufkommen“, das der neue Betreiber mit sich bringe. Alt-Gemeinderat Hermann Lampert und Herbert Geringer waren vor 17 Jahren schon einmal aneinandergeraten. Damals wurde auf dem Gelände der Gärtnerei eine Topfpflanzenproduktion eingerichtet, die heute noch besteht. Lampert vermutet mehr Verkaufsfläche und mehr Kunden. „Im Pflanzenzuchtbetrieb Gensetter ist dieses Szenario bis heute nicht eingetroffen“, so Geringer. Es müsse doch möglich sein, dass ein Betrieb, der immer an dieser Straße war, auch an dieser Stelle im Ortskern und nicht im Grüngürtel der Marktgemeinde weitergeführt werden könne, beklagt Geringer gegenüber den VN. Lampert steht den Bemühungen von Bürgermeister Summer in seinem öffentlichen Aufruf übrigens völlig entgegen: „Ein BayWa-Standort im Umfeld der Autobahnabfahrten wäre sicher die bessere Lösung“, schreibt er an die „lieben Rankweilerinnen und Rankweiler“.

Es muss doch möglich sein, einen Gartenpark wie den unseren im Ortszen­trum zu betreiben.

Herbert Geringer