Die Achillesferse des Standorts
Was in Vorarlberg produziert wird, landet in den meisten Fällen ganz woanders. Oft im Ausland, denn wir sind ja Exportweltmeister, und dann ist auch der Osten der Republik, der gleich hinterm Arlberg beginnt, ein wichtiger Absatzmarkt. Geografisch ist der Standort so ausgerichtet, dass wir viel leichter in die Schweiz und nach Deutschland liefern sollten, denn dann haben die Unternehmen keine Probleme.
Die machen uns seit Jahren die Tiroler, die sich alle möglichen Schikanen ausdenken, um Vorarlberger Unternehmen daran zu hindern, Kuchen und Säfte, Holz und Textilien – und was sonst noch begehrenswert ist für unsere ostösterreichischen Mitbürger – vor Ort zu bringen. Die Tiroler Bemühungen sind lästig, aber nicht immer zielführend.
Nun haben die Tiroler unverhofft Schützenhilfe bekommen. Quasi als groß angelegter Feldversuch wird in den Monaten der Arlbergtunnel-Totalsperre ein großer Teil des Schwerverkehrs umgeleitet. Das ist der für Tirol positive Teil der Sanierung. Der für Vorarlberg negative Teil ist, dass Tausende Lkw-Ladungen über Umwege und damit zu höheren Kosten zu den Absatzmärkten chauffiert werden müssen. Negativ zeigt sich damit einmal mehr die Randlage unseres Bundeslandes und die fragile Verkehrsinfrastruktur, die für Betriebe schnell zum Problem wird.
Ein wirtschaftsstarkes Land wie Vorarlberg braucht auch eine leistungsstarke Verkehrsinfrastruktur. Die fehlt und ist auch so schnell nicht zu verwirklichen. Die Bahn wird keinen Ausweg bieten, sind doch schon jetzt die Gütertransporte mit dem Zug überbelegt. Die angekündigte Kapazitätserweiterung wird nicht ausreichen. Die Strecke über Deutschland ist auf Schienen keine Option. In Richtung Osten gibt es sie einfach nicht, und sie hat für die Deutsche Bahn und den Freistaat Bayern auch keine Priorität.
Den Vorarlbergern bleibt der Weg über deutsche Autobahnen. Doch irgendwann werden die Allgäuer vom Tiroler Virus befallen werden. Sie werden sich Statistiken ansehen und draufkommen, dass fast nur österreichische Lkw zwischen Bregenz und Salzburg unterwegs sind. Wie die Tiroler werden sie dann versuchen, den Verkehr einzuschränken.
Die Verkehrsverbindungen sind die Achillesferse des Standorts. Die Tunnelsperre sollte Anlass dafür sein, die Leistungsfähigkeit der Bahnverbindung auszubauen und auch dafür, Straßen weiterzuentwickeln. Denn auch wenn sich alle eine Welt ohne Lkw wünschen: Vorarlberg braucht starke Verkehrsverbindungen, sonst müssen die Firmen dort produzieren, wo die Kunden sind. Mit allen Konsequenzen für Menschen und Wirtschaft.
andreas.scalet@vn.vol.at, 05572/501-862
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