Statt Kunststoffziegeln produziert Häusle Energie

Markt / 27.02.2013 • 22:26 Uhr
Hier wird kein Müll entsorgt – der Häusle-Transporter bringt wertvolle Rohstoffe, die wiederaufbereitet werden. Foto: VN/Hartinger
Hier wird kein Müll entsorgt – der Häusle-Transporter bringt wertvolle Rohstoffe, die wiederaufbereitet werden. Foto: VN/Hartinger

Gibt es weniger Müll? Häusle hat 2012 jedenfalls 13 Prozent weniger Umsatz gemacht.

Lustenau. Statt knapp 108 Millionen Euro im Jahr 2011 bilanzierte Vorarlbergs bekanntester Abfallentsorger 2012 mit 93,9 Millionen Euro. Haben die Vorarlberger, besonders jene im Rheintal, etwa weniger Müll produziert? Haben die Kampagnen gegriffen, die mehr Trennung propagieren?

Mitnichten, auch wenn es durchaus im Sinne von Häusle sei, wenn die Menschen mit den Ressourcen verantwortungsvoll umgehen, wie die beiden Geschäftsführer und Gesellschafter Wieland Hofer und Martin Bösch im Gespräch mit den VN versichern. Der Umsatzrückgang hat verschiedene Gründe.

Die Häusle-Gruppe, die in Österreich, Deutschland und der Schweiz tätig ist und insgesamt rund ein Dutzend Beteiligungen umfasst, hat sich von der Produktion von Kunststoffziegeln und -bausteinen verabschiedet. Der Betrieb Cycoplast wurde im vergangenen Jahr eingestellt. Bösch: „Wir wurden quasi vom eigenen Erfolg überholt.“ Erfolg habe Häusle durch eine immer bessere Trennung von Wertstoffen erreicht. Das Ergebnis: Für die Produktion der Dachpfannen, Rasengittersteine und Rinnen sei dann nur noch Material übriggeblieben, das nicht geeignet gewesen sei, daraus ordentliche Produkte für den Markt zu generieren. Mit der Firma, die in den 90er-Jahren von Peter Böhler gegründet worden war, hatte das Unternehmen seit der Übernahme keine Freude. Und als die jetzige Eigentümergruppe Häusle übernahm, stand Cycoplast schon einmal zur Disposition. „Wir hatten aber entschieden, dass es ein falsches Signal gewesen wäre, das Unternehmen zu schließen. Im Nachhinein wäre es richtig gewesen“, so Wieland Hofer.

Geschäftsfeld Energie

Schwierig war das Jahr aber auch mit einem der wichtigsten Wertstoffe für Häusle, dem Altpapier. 300.000 Tonnen werden davon jährlich gesammelt, sortiert und gehandelt: Die Altpapierpreise sind im Keller, das sehe man an den Umsätzen. Es sei aber auch so, dass man natürlich weniger bezahlt habe für das Altpapier, das verzerre das Ergebnis durchaus, erläutert Bösch und kommt dann zu dem, was ihm und Hofer wirklich wichtig ist: Häusle wird immer mehr zum Energieproduzenten. Ein gutes Beispiel für dieses Geschäftsfeld sei die Bioabfallvergärungsanlage, die aktuell umgebaut wird und ab Oktober 2013 in Betrieb geht. „Mit dieser Anlage werden jährlich 3,3 Millionen Kubikmeter Rohgas produziert.“ Am Anfang des Kreislaufs stehen etwa 32.000 Jahrestonnen Biomasse, die sich aus Bioabfall der Haushalte, der Gastronomie, der Lebensmittelindustrie sowie aus landwirtschaftlichen Abfallprodukten zusammensetzen. Am Ende des Prozesses entsteht Rohgas, dessen CO2-Gehalt durch den Reinigungsprozess eliminiert wird. „So entsteht Biogas in höchster Qualität, das wir in das öffentliche Netz der VEG einspeisen.“ Einen Teil des Biogases verwerte die VEG, mit dem Rest produziere Häusle mittels externer Blockheizkraftwerke Strom für das öffentliche Netz und Wärme für die Industrie, erklärt Wieland Hofer.

Die Energieerzeugung werde in nächster Zukunft für Häusle ein ganz wichtiges Geschäftsfeld, man werde damit auch einen aktiven Beitrag zur proklamierten Energie­autonomie Vorarlbergs leisten, geben sich die Recycler selbstbewusst. Derzeit können 98 Prozent der Reststoffe, die bei Häusle landen, wiederverwertet werden.

Häusle in Zahlen

» Konzernumsatz 2012: 97 Mill. Euro

» Geplante Investitionen: 4,4 Mill.

» Standorte: Lustenau, Gersthofen, Lindau, St. Gallen, Winterthur, Eschlikon, Siggenthal

» Exportquote: 20 Prozent

» Mitarbeiter: 211 Mitarbeiter in Vorarlberg, 106 Mitarbeiter in den weiteren Betrieben

» Eigentümer: WHB GmbH, CETEK GmbH, Loacker Recycling GmbH, Böhler & Sohn GmbH