Arm dran – Angestellte von Ärzten und Anwälten

Markt / 28.03.2013 • 22:54 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Arzt-Angestellte zeichnen sich durch hohes Engagement aus und bekommen dafür wenig Lohn.
Arzt-Angestellte zeichnen sich durch hohes Engagement aus und bekommen dafür wenig Lohn.

Einkommensuntergrenze in der Wirtschaft: 1400 Euro. Doch es geht tiefer.

Schwarzach. Knapp 114.000 Euro verdiente 2012 ein Facharzt in Österreich, übrigens doppelt so viel wie eine Fachärztin. Und Allgemeinmediziner nahmen durchschnittlich 83.000 Euro ein. So steht es im Einkommensbericht 2012 des österreichischen Rechnungshofs.

Eine „Angestellte mit Sanitätshilfsdienstausbildung und Absolventin von Abendschulen für Arzt- bzw. Ordinationsgehilfinnen“ im 1. bis 3. Berufsjahr bekommt dagegen jährlich 16.436 Euro brutto, und das Jahresbrutto steigt danach nicht wesentlich. 19.278 Euro sind im Kollektivvertrag von 2011, abgeschlossen zwischen den niedergelassenen Ärzten und der Gewerkschaft der Privatangestellten, festgeschrieben. „Mit diesem Zahltag kann man in Vorarlberg nicht leben“, wettert Gewerkschafter Bernhard Heinzle. In der Wirtschaft habe man erreicht, dass die Bruttolöhne im Handel zwischen 1400 und 1500 Euro brutto liegen. Das müsse auch bei Angestellten der Ärzte möglich sein.

Doch die Ärzte geben sich gelassen. Ein hochrangiger Funktionär habe ihm freiweg erklärt, solange sich so viele Frauen um einen Job in der Arztpraxis bewerben, werde man sich beim Lohn nicht bewegen. Und auch der offizielle Verhandler der Ärzte, der Bludenzer Allgemeinmediziner Harald Schlocker, sieht überhaupt keinen Grund, öffentlich über die Gehälter der Ärzte-Angestellten zu reden. In der Regel sind es Frauen, die in den Arztpraxen Dienst tun. Oft Wiedereinsteigerinnen, die sich über die günstigen Praxisöffnungszeiten freuen (über die sich Patienten übrigens öfter ärgern). „Wiedereinsteigerinnen auf Teilzeitbasis sind besonders betroffen“, weiß Heinzle, „denn die können nicht in Pension gehen, weil sie so wenig verdienen. Und oft vertuschen sie das vor Freunden und Verwandschaft.“ Der Gewerkschafter gibt zu, dass es der Arbeitnehmerorganisation schwerfällt, Mitglieder bei den Ärzte-Angestellten zu bekommen, und er weiß auch, warum: „Erstens sind die Praxen klein, und damit kann keine Betriebsratsarbeit geleistet werden. Und zweitens haben die Frauen Angst, das Vertrauen und die Wertschätzung ihres Chefs zu verlieren.“ Aber von Wertschätzung allein können „diese sehr engagierten Arbeitnehmerinnen nicht essen, man braucht auch Geld“, appelliert Heinzle an die Mediziner. „Man könne über alles reden, aber es ist nicht zielführend, das öffentlich zu tun“, antwortet Schlocker, und im Übrigen habe man eh einen neuen Gesprächstermin vereinbart. Davon, dass man eine Lohnerhöhung der Angestellten mit einer Tariferhöhung bei der VGKK koppeln will, habe er – im Gegensatz zu anderen Verhandlungsführern – aber nichts gehört, so der Allgemeinmediziner gegenüber den VN.

Die Angestellten der niedergelassenen Ärzte haben immerhin einen Kollektivvertrag. Das haben die Angestellten der Rechtsanwälte nicht. „Und brauchen es auch nicht“, wie Rechtsanwaltskammer-Präsidentin Birgitt Breinbauer, der Direktor der Anwaltskammer, Dr. Ingo Breuss, und auch die Ausschussmitglieder überzeugt sind. Eine Umfrage der Ausschussmitglieder, so Breuss im Gespräch mit den VN, habe gezeigt, dass alle befragten Anwälte in Vorarlberg besser entlohnen als die im KV der Tiroler Anwaltsangestellten festgeschriebenen Gehälter.

Weniger Gehalt?

„Es könnte sein, dass die Einführung eines Kollektivvertrags sogar zu einer Senkung der Gehälter führt“, sagt nicht nur die Präsidentin, sondern sind auch die von den VN dazu befragten Anwälte überzeugt. Ein Anwalt verdient durchschnittlich 68.000 Euro (so er männlich ist, seine Kolleginnen kommen auf 40.700 Euro Jahresverdienst). Im Tiroler Kollektivvertrag bekommen Kanzleikräfte übrigens ein Gehalt von 1100 Euro brutto monatlich, gelernte Rechtskanzleiassistentinnen 1290 Euro brutto. In Vorarlberg soll es mehr sein, allerdings haben die Angestellten ohne Kollektivvertrag keinen Anspruch auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. „Und niemand kann sagen, was die Angestellten wirklich verdienen“, betont Heinzle. Wirkliche Bereitschaft zu Verhandlungen ist bei den Anwälten nicht zu spüren. Man sei aber verhandlungsbereit, wenn es denn sein soll, überzeugt ist aber keiner der Juristen.

Und was will Gewerkschafter Bernhard Heinzle? „Einen Kollektivvertrag, wie es ihn in fünf Bundesländern gibt, und einen Bruttolohn auf gleichem Niveau wie in der Wirtschaft.“ Er hoffe, so Heinzle, dass sich auch die Politik der Problematik annehme und auf Anwälte und Ärzte einwirke.

Gehälter

Durchschnittliche Jahresgehälter

Niedergelassene Ärzte:

» Fachärzte 113.944 Euro

» Zahnarztpraxen 93.278 Euro

» Allgemeinmediziner 82.687 Euroo

» Ordinationsgehilfin

mit Ausbildung 16.436 Euro

» Rechtsanwälte 61.350 Euro

» AnwaltsgehilfIn 15.400 Euro

Durchschnittliches Jahreseinkommen in Vorarlberg 36.384 Euro

Alle Gehälter brutto. Quelle: Einkommensbericht des Rechnungshofs 2012, Kollektivverträge