Trotz Frühling herrscht im Montafon Eiseskälte

Markt / 09.04.2013 • 21:07 Uhr
Geht’s aufwärts oder doch eher abwärts mit dem Montafoner Skipool? Die Gäste sollen jedenfalls keinen Nachteil haben. Foto: VN/Stiplovsek
Geht’s aufwärts oder doch eher abwärts mit dem Montafoner Skipool? Die Gäste sollen jedenfalls keinen Nachteil haben. Foto: VN/Stiplovsek

Eigentlich müssten sich Montafoner über Tourismus-Plus freuen. Das Gegenteil ist der Fall.

schruns. „Die Poolsitzung war sehr erfolgreich“, strahlte Georg Hoblik, Vorstandsvorsitzender der Silvretta Montafon, und das, obwohl er zur anberaumten Pressekonferenz im Hauptquartier des „größten Skigebietes Vorarlbergs“ über eine Stunde zu spät kam. „Der Pool wird auch weiterbestehen.“ Drei Themen kündigte er an, obschon er selber wusste, dass nur eines interessant sein würde: Illwerke Tourimus hatte tags zuvor dem schon seit Langem schwelenden Streit, über den die VN ausführlich berichteten, einen Höhepunkt beschert: Das zweitgrößte Seilbahnunternehmen kündigte via Medien den Ausstieg der Silvretta Montafon aus dem Montafoner Skipool an und thematisierte auch Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung.

Unkorrekte Handlungen

Bei der Silvretta Montafon wurden Saisonkarten bündelweise „gestempelt“ und damit die Benützung der Lifte vorgetäuscht, was zu falschen Abrechnungen und Nachteilen für die anderen Skigebiete geführt hat. Und das ist auch von der Silvretta Montafon unbestritten. Der Mitarbeiter sei schon länger nicht mehr im Unternehmen – „fristlos gekündigt wegen einer anderen Sache“, so Hoblik. Die Abstemplerei sei der Geschäftsleitung nicht bekannt gewesen und wäre nie geduldet worden. „Der dadurch entstandene Schaden in Höhe von rund 150.000 Euro ist den anderen Poolmitgliedern sofort rückerstattet worden und wir entschuldigen uns für diese unkorrekten Handlungen.“

Dann geht Hoblik aber zum Gegenangriff über: „Gleichzeitig überrascht uns der Umstand, wie andere Bergbahnen ohne Verletzung der Datenschutzgesetze zu diesen Daten kommen konnten. Neben dem Systemadministrator hat ausschließlich die Montafon Tourismus GmbH als Pool-Abrechnungsstelle Zugang zu diesen Daten.“

Unregelmäßigkeiten bei allen?

Zudem bestehe der Verdacht, dass auch bei den anderen Bergbahnen Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung dieser Freikarten erfolgt seien. Das wiederum will Werner Netzer vom Illwerke Tourismus so nicht stehen lassen: „Wir fordern eine lückenlose Aufklärung der Unregelmäßigkeiten.“ Jetzt nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ von einer möglichen Verletzung der Datenschutzgesetze zu sprechen, sei eine Umkehrung der Tatsachen, die Silvretta Montafon habe zugegeben, dass Saisonkarten zu Unrecht „gestempelt“ wurden. „Für uns steht deshalb jetzt im Vordergrund, dass das Schaden­ausmaß festgestellt wird.“

Ein schwerer Vorwurf wird wohl Gegenstand weiterer Gespräche sein: Montafon Tourismus habe für den Bergbahnpool die Verrechnung übernommen. Im Dezember 2012 habe die Geschäftsführung über 600.000 Euro ohne Beschluss zum Nachteil der Silvretta Montafon ausbezahlt. „Wir warten bis heute auf eine Klärung dieses Sachverhalts.“ Die kritisierte Überweisung einer Akontozahlung unter anderem an die Gargellner Bergbahnen war aus Sicht von Netzer korrekt: „Montafon Tourismus als Abrechnungsstelle des Skipools Montafon hat lediglich auf Basis der bisherigen Abrechnungsmodalitäten die anvertrauten Beträge als Akontozahlung überwiesen.“