Bildung: „Die Politik ist viel zu träge“

Markt / 18.04.2013 • 21:18 Uhr

Bildungsprogramm der WKV wurde gelobt. Passiert ist nichts. Jetzt folgt der Nachschlag.

Schwarzach. Zehn Punkte präsentierte die Wirtschaftskammer Vorarlberg und wollte mit diesen Vorschlägen die Bildungsdiskussion in Schwung bringen. Das gelang. Mehr aber auch nicht. Der bildungspolitische Sprecher der Interessenvertretung, Christoph Jenny, zeigt sich fünf Monate nach der Präsentation ernüchtert: „Der Tatendrang der Politik in der Umsetzung ist enden wollend.“ Es werde diskutiert, mehr aber auch nicht, zieht er im Gespräch mit den VN Bilanz und legt im Vorfeld des Arbeitsmarktgipfels heute vormittag nochmals nach.

Bildungsmanagement vor Ort

Er hofft, die Zusammenkunft aller ­sozialpartnerschaftlich relevanten Kräfte heute nutzen zu können, um die Forderung nach „regionalen Bildungsnetzwerken auf den Weg zu bringen“. Ziel sei die Entwicklung eines lokalen Bildungsmanagement vor Ort, das lebenslanges, aufeinander abgestimmtes Lernen für alle Bürger ermöglicht. Abgeschaut hat sich die Wirtschaftskammer dieses Modell gleich in der Nachbarschaft. Im deutschen Landkreis Ravensburg wird das Bildungsnetzwerk – mit Unterstützung der Bertelsmann-Stiftung – erfolgreich angewendet. Jenny: „Die mit der überkommenen Aufgabentrennung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden verbundene Idee, Bildung ließe sich zentral steuern, ist unrealistisch. Das erinnert mich an Planwirtschaft.“ Kooperationen seien derzeit lediglich punktuell, von System könne keine Rede sein. Das Bildungssystem sei sehr strukturiert und vor allem sehr hierarchisch, analysiert er den Ist-Zustand. Im Bildungsnetzwerk will der Wirtschaftskämmerer denn auch alle möglichen Akteure und nicht nur die üblichen Verdächtigen wissen. „In der Region – und da ist Vorarlberg bereits zu groß – wissen die Leute, was wichtig ist. Dort muss Bildung stattfinden“, will er verkrustete Strukturen aufbrechen und übt harte Kritik an der schulischen Bürokratie, die alle innovativen Ansätze im Keim ersticke. „Bei uns setzt man ein Forschungsprojekt an und verplempert weitere wertvolle Zeit“, die Vorschläge zum Bildungsnetzwerk hingegen könnten sofort umgesetzt werden, betont er – „wenn die Beteiligten dazu bereit sind“. Heute Mittag weiß er jedenfalls mehr.

Die Bildung bei uns ähnelt eher einem trägen Tanker als einem Schnellboot. Das geht zu langsam.

Christoph jenny

Zehn Punkte

Zehn bildungspolitische Forderungen der Wirtschaftskammer Vorarlberg

» Modellregionen mit einer „Gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen mit innerer Leistungsdifferenzierung“

» Flächendeckender Ausbau von Ganztagsangeboten an Vorarlbergs Schulen

» Aufhebung der Sprengeleinteilungen

» Stärkung der Schulautonomie und zeitgemäße Rahmenbedingungen für Lehrerinnen und Lehrer

» Umsetzung des dualen Studiums an der FH Vorarlberg ab Herbst 2013

» Ausbau der Technikbildung

» Berufsorientierung als eigenes Pflichtfach ab der 7. Schulstufe

» Sicherstellung der Schulreife durch flächendeckende vorschulische Betreuungsangebote mit klaren Bildungszielen

» Stärkung der Motivation, Bildungsangebote in Anspruch zu nehmen

» Berufsakademie – Berufsbildung auf Hochschulebene