Ex-Bahnmanager baut jetzt auf die Geothermie

Markt / 22.05.2013 • 21:21 Uhr
Für Wehinger ist „Enercret eine Perle“. Foto: VN/Hofmeister
Für Wehinger ist „Enercret eine Perle“. Foto: VN/Hofmeister

Westbahn-Gründer Stefan Wehinger kauft die prosperierende NägeleTochter Enercret.

Röthis. Eines kann Stefan Wehinger für sich in Anspruch nehmen: Die beiden schnellsten und modernsten Züge in Österreich, die Westbahn und der ÖBB-Railjet, gehen auf sein Konto, er hat sie auf die Schienen gestellt und er hat das Eisenbahn-Monopol in Österreich beendet. Nun arbeitet er als Berater für Bahnprojekte mit Sitz in Altenrhein. Daneben ist er 100- Prozent-Eigentümer der Sonnenberg Beteiligungs GmbH, deren Zweck es ist, mehr oder weniger lukrative Beteiligungen einzugehen. Eine solche dürfte er jetzt gefunden haben. Wie die VN aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, wird der ehemalige Bahnmanager Wehinger die Firma Enercret „ganz oder zum Teil“ kaufen. Konkret wollte er sich gestern noch nicht zu der Übernahme äußern.

Das Unternehmen gehört bislang zur Nägele Holding, die sich derzeit neu aufstellt. Erst im April gab Wolfgang Nägele bekannt, dass der Hochbau-Bereich der Nägelebau von der Porr übernommen werde. Im Gespräch mit den VN sagte er anlässlich des Hochbau-Verkaufs: „Wir wollen uns künftig auf die Bereiche Betonfertigteilbau und Baustoffproduktion fokussieren.“ Für das laufende Jahr erwartet Nägele im Fertigteilbau eine Umsatzsteigerung von 30 Prozent. „Wir haben vor zwei Jahren eine hochmoderne Halle mit einer Umlaufanlage gebaut, in der wir Fertigteile herstellen“, erklärte Wolfgang Nägele. Von der Enercret war in diesem Szenario keine Rede.

Seit 30 Jahren beschäftigt sich das Tochter-Unternehmen von Nägelebau mit Erdwärme und ist ein weltweit anerkannter Pionierbetrieb mit renommierten Referenzprojekten. Die Idee hinter Enercret ist so simpel wie einleuchtend: Viele Baugründe müssen pilotiert werden. Die Fundierungspfähle werden mit Leitungen bestückt und mit einem Gemisch aus Wasser und Frostschutz gefüllt. Mit Wärmepumpen wird der Erde so viel Wärme entzogen, dass damit das ganze Jahr geheizt werden kann. Im Sommer wiederum findet der Wärmeaustausch in die andere Richtung statt. Dort, wo nicht pilotiert wird, würden Erdsonden zum Einsatz kommen. Die Vorteile des Systems liegen auf der Hand. So würden zum Beheizen eines Gebäudes 80 Prozent des Energiebedarfs gratis aus dem Erdreich geholt. „Beraten, planen, simulieren, installieren und garantieren“ – kein anderes Unternehmen sei beim Thema Erdwärme so breit aufgestellt wie Enercret, wird Bereichsleiter Rainer Bayer zitiert.

enercret

Bisherige Gesellschafter:

» Dr. Roderick Kaps (20 %)

» Christa Kaps-Nägele (13,2 %)

» Nägele Holding GmbH (66,8 %)

Mitarbeiter: 25

Projekte (Auszug):

» Strabag Konzernzentrale, Wien

» EA-Generali Verwaltung, Wien

» Keble College, Oxford

» Guolian Financial Tower, Wuxi (China)